22 – Hegel fährt heim

Heute Morgen ist Hegel etwas ruhig. Still sitzt er an seinem Frühstück und hat überhaupt keinen Appetit. Er ist traurig, weil es heute wieder nach Hause geht. Es hätte noch so viel gegeben hier auf der Hallig, das so spannend und interessant ist.

So hätte es ihn brennend interessiert, wieso auf Langeneß die Uhr rückwärts geht.

Aber als er hört, dass wir nochmals eine kurze Runde an der Kante entlang gehen, hellt sich sein Gesicht wieder auf. Ruckzuck hat er sein Teller leer gegessen und ist angezogen. Das Wetter ist gerade passend, zwar noch windig, aber die Regenwolke von vorhin ist schon über uns hinweg.

Er freut sich richtig, dass er nochmals auf den Steinen des Deichs herumhüpfen und über die weiten Fennen und das Watt schauen kann. Aber bald muss er wieder umkehren, denn es gibt heute Früh noch einiges zu tun. Die Koffer müssen fertig gepackt und ins Auto gebracht werden. Und natürlich muss auch noch der Reiseproviant vorbereitet werden.

Die Fahrt dauert lange und heute will er sie auf jeden Fall nicht ganz verschlafen. Da braucht er schon etwas mehr zu essen, als bei der Herfahrt.

Bald ist es soweit und es geht los. Hegel sagt noch tschüss zu den netten Vermietern und hüpft ins Auto. Natürlich ist er mit der Nase vorne dran.

Die Fahrt zur Anlegestelle dauert nicht lange. Dort liegt bereits die Hilligenlei. Die Motoren laufen schon, es geht bestimmt bald los.

Sogar als erstes Fahrzeug dürfen wir an Bord fahren und stehen ganz vorne. Da freut sich Hegel, so hat er den besten Ausblick.

Aber bald nach dem Ablegen von der Anlegestelle wird Hegel etwas ruhiger. Er kommt wieder ins Auto und sitzt schweigend in seinem Sitz. Es ist nach wie vor ziemlich windig. Dadurch sind die Wellen im offenen Meer etwas höher und es schaukelt etwas auf der Fähre. Das mag Hegel nicht so sehr.

Aber bald ist die Fähre im Schutz der Hallig Hooge, da sind die Wellen nicht mehr so hoch und es wird wieder ruhiger. Und schon ist auch Hegel wieder draußen und schaut von der Reling aus aufs Meer und die Hallig Langeneß, die in der Ferne gut zu sehen ist.

Dann macht er eine kurze Runde über das Autodeck. Gleich neben uns steht ein Imker. Der hat die Bienenkästen auf der Hallig stehen gehabt und holt sie nun wieder heim. Hegel traut sich aber nicht, an den Kästen vorüber zu gehen. Immer wieder fliegen Bienen raus und rein.

Er dreht um und geht auf der anderen Seite des Autos weiter. Dann kommt er in die Nähe eines Anhänger. Da rumpelt und scharrt es und der Anhänger wackelt nur so. Hegel ist sehr vorsichtig, schaut genauer hin, aber er kann nichts erkennen. Dann geht er um den Anhänger herum und nun weiß er auch, weshalb es da so gerumpelt hat. Ein Rindvieh schaut ihn mit großem Auge an.

Hegel zieht es lieber vor, einen weiten Bogen um den Anhänger zu machen.

Noch einmal setzt er sich an die Reling und schaut zur vorbeiziehenden Hallig Langeneß hinüber.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Und schon bald sieht Hegel die Anlegestelle in Schlüttsiel. Gleich wird die Fähre anlegen.

Der Steuermann schiebt das Rolltor zur Seite und schon können wir von der Fähre herunter fahren.

Eine lange Rückfahrt wartet auf Hegel. Aber es ist ha noch hell und er wird unterwegs bestimmt noch interessante Dinge sehen. Hegel hat natürlich wieder einen Logenplatz im Auto. So kann er alles bestens sehen.

Am Abend fängt es zu regnen an und so langsam wird es Nacht.
Hegel isst noch von seinem Reiseproviant und es dauert nicht lange, da sind ihm die Augen zugefallen.
Als er am frühen Morgen aufwacht, ist er gerade zu Hause angekommen.

 

 

 

 

 

21 – Hegel versteht nur Bahnhof

Hegel hat gehört, dass es hier auf der Hallig einen Bahnhof geben soll. Das kann er kaum glauben, einen Bahnhof? Einen Hafen kann er sich ja schon vorstellen, hier mitten in der Nordsee. Aber einen Bahnhof, das kann doch nicht sein, die Züge können doch nicht über Wasser fahren.

Also das muss er sich doch noch anschauen. Als Hegel dann aus dem Auto steigt und vor sich Gleise sieht auf denen Wägelchen stehen, ist er völlig baff.

Tatsächlich, ein Bahnhof. Aber irgendwie sind die Wagen schon etwas komisch. Und wo sind die Lokomotiven? Hegel muss sich das genauer anschauen und schwups ist er auf einem der Wägelchen.

Diese Wägelchen, das sind Loren. Und die ganze Anlage hier, das ist der Lorenbahnhof von Langeneß. Mit den Loren können die Bewohner der Hallig auf das Festland fahren. Dafür ist extra ein Damm angelegt worden, auf dem die Gleise liegen.
Hegel will das alles sehr genau wissen.  Und schon ist er auf dem nächsten Wagen, achso …. auf der Lore.

Er setzt sich gleich ganz vorne hin. Dort wo normalerweise der Lorenführer sitzt. Jede dieser Loren hat einen Motor eingebaut. Und der Lorenführer sitzt dann vorne und gibt Gas oder bremst. Meistens sind auf der Lore noch weitere Kisten, in denen Waren oder Lebensmittel oder sonst irgendwas transport wird. Ein paar wenige Loren haben auch eine geschlossene Kabine, aber meistens sind sie offen. Und noch etwas entdeckt Hegel. Tatsächlich eine Lokomotive. Oder ist das eine Loremotive?

Dahinter hängt ein richtiger Wagen mit einer Kabine. Das ist das Fahrzeug der Arbeiter, die immer wieder an den Gleisen Arbeiten ausführen müssen.

Hegel geht an den Gleisen entlang und entdeckt eine Weiche. Die muss noch von Hand gestellt werden. Natürlich versucht Hegel gleich, die Weiche umzustellen. Aber dafür ist er dann doch etwas zu klein und zu schwach.

Ein Stück weiter laufen alle Gleise auf ein einziges zusammen. So weit man sehen kann, laufen die Gleise immer gerade aus. Das sieht aus, als würden sie unendlich lange sein.

Hegel will natürlich wissen wo die Gleise hinführen und läuft an den Gleisen entlang weiter. Ein Stück weiter vorne kommt er an einen Holzturm.

Das ist ein Vogelbeobachtungsturm. Das ganze Gebiet hier ist nämlich Vogelschutzgebiet. Leider ist die Treppe morsch geworden. So kann Hegel nicht nach oben. Von da hätte man eine schöne Aussicht. Und er könnte vielleicht sehen, wohin die Gleise führen.
Aber da man nicht hoch kann, geht Hegel weiter an den Gleisen entlang.

Er kommt an eine Stelle, wo es nicht mehr weiter geht. Auf der einen Seite ist das Watt und auf der anderen Seite das Vogelschutzgebiet, das man nicht betreten darf. Da kommt Hegel eine Idee. In der Wohnung hat er eine Landkarte gesehen. Da kann man doch bestimmt sehen, wo die Gleise hinführen.

Hegel dreht nun um und geht an den Gleisen wieder zurück. Plötzlich hört ein brummendes ratterndes Geräusch, „klock…klock,klock…klock, klock….“   Und dann sieht er es. Er  kann es nicht fassen, tatsächlich, je näher das Geräusch kommt, desto besser kann er sehen, was es ist. Es ist wirklich eine Lore, die da angefahren kommt.

Hegel ist außer sich vor Freude, dass er so viel Glück gehabt hat, sogar eine fahrende Lore zu sehen. Das wird er sicher nicht so schnell vergessen.

20 – Hegel geht ein Licht auf

Hegel sieht beim Heimgehen von der Südkante ganz entfernt etwas am Horizont. Es sieht so aus, als ob es noch auf der Hallig ist, aber genau kann er es nicht sagen. Es ist natürlich klar, dass Hegel dort unbedingt hin muss.

Am nächsten Tag geht also die neue Entdeckertour los. Das Wetter ist heute zwar nicht so gut und in der Ferne sieht es schon ein wenig stark bewölkt und dunkel aus. Aber Hegel lässt sich nicht davon abbringen. An der Rixwarf steigt Hegel aus dem Auto und marschiert gleich stramm los.

Wieder geht es an blütenreichen Fennen vorbei. Der Wind ist heute schon etwas stärker und lässt manchmal Hegels Ohren ganz schön flattern. Nach und nach wird dieses unbekannte Ding größer und Hegel ruft auf einmal „Das ist ja ein Turm! Vielleicht ein Aussichtsturm, dann können wir über das Meer sehen.“

Die letzten Meter ist dann Hegel nicht mehr zu halten. Er will losrennen, kommt aber kaum vorwärts, denn der Wind bläst genau gegen ihn. Seine Ohren flattern nun nach hinten weg und manchmal bekommt er kaum mehr Luft wenn eine Windböe ihn anbläst.
Dann endlich hat er sein Ziel erreicht. „Ich habs gewusst, ich habs gewusst, das ist ein Aussichtsturm. Oben ist sogar ein Geländer, damit man nicht herunter fällt.“

Aber da hat sich Hegel ganz schön getäuscht. Es ist gar kein Aussichtsturm.

Es ist der Leuchtturm von Langeneß. Und der ist sogar noch in Betrieb. Genaugenommen ist dieser Leuchtturm ein sogenanntes „Leit- und Quermarkenfeuer „, aber wir sagen einfach Leuchtturm. Denn das tut er auch, leuchten. Vor allem in der Nacht und bei Nebel oder bei einer Sturmflut, wenn er dann weit über die überflutete Hallig hinausragt und den Schiffen den Weg weist. Hegel steht wieder  einmal mit offenen Augen und Mund da und blickt zur Turmspitze hinauf.

Der Leuchtturm ist 11 Meter hoch und wurde vor über 100 Jahren gebaut, schon ganz schön alt. Ganz früher, als es noch keinen Strom gab, musste der Leuchtturmwärter mit einer großen Petroleumlampe das Leuchtfeuer aussenden.

Hegel ist sprachlos. Er will natürlich einmal rundrum. Als er auf die Seeseite kommt, weht ihn eine heftige Windböe beinahe vom Deich. Puhhh … Glück gehabt.

 

Hegel legt seinen Kopf ganz in den Nacken und blickt nach oben zu der Kuppel, auf deren Spitze noch eine Windfahne angebracht ist. Auf der Fahne steht die Zahl 1902. Das ist das Jahr in dem der Leuchtturm gebaut wurde.

Hegel geht einmal um den Turm herum, er will unbedingt hinauf und schauen wie es dort aussieht.

Aber so stark er auch am Türgriff zieht, sie geht nicht auf.

Der Turm ist geschlossen, da dürfen nur die Leuchtturmwärter hoch.

Bei all den interessanten Dingen, die Hegel über den Leuchtturm erfahren hat, hat er gar nicht mehr auf das Wetter geachtet. Das sieht auf einmal ganz anders aus. Ohje, ob er wohl noch trockenen Fußes nach Hause kommt?

Mit großen Schritten eilt Hegel nun wieder in Richtung der Rixwarf. Die Wolken werden immer dunkler…

Und dann bleibt Hegel doch noch einmal stehen. Was er nun wieder entdeckt hat, das hat er noch nie gesehen. Ob ihm das wohl jemand glaubt, wenn er das erzählt?

Auf einer kleinen Warf direkt an der Kante steht ein kleines Häuschen, das an allen vier Ecken mit Seilen angebunden ist. Das ist ja ein Ding! Da muss es ganz schön heftig stürmen, wenn das notwendig ist.
Sachen gibts.

An der Rixwarf ist mittlerweile etwas Betrieb. Die Fähre legt bald ab und die ersten Fahrgäste kommen schon. Auch Waren und Gepäck werden verladen. Alles kommt auf kleine Anhängerchen, die mit einem großen Schlepper auf die Fähre gezogen werden.

Hegel hat heute wieder viel gelernt und gesehen. Und ist wieder weit marschiert. Er hat sich kaum ins Auto gesetzt, da ist er auch schon eingeschlafen. Aber auf der Heimfahrt ist nichts Besonderes mehr gewesen, so hat er nichts verpasst.

 

19 – Hegel an der Südkante

Hegel hat es an der Kante entlang so gut gefallen, dass er nochmals los wollte. Und das obwohl er ganz schön lange unterwegs war.

Also los. Diesmal geht es jedoch an die Südkante, also an der Südseite der Hallig entlang. Erstmal ein Stück auf der Straße und danach auf einem schmalen Wiesenpfad vor zur Südkante. Kaum ist Hegel vorne, rennt er los wie von der Tarantel gestochen. Er hat etwas entdeckt. Was das wohl sein mag?

Ein großes grünes Knäuel liegt auf dem Deich, Schnüre, netzartige Geflechte, Taue, Seegras und alles mögliche ist miteinander verknotet und verwickelt. Es ist ein Stück eines Fischernetzes, das sich an einem Fischerboot losgerissen oder gelöst hat. Hegel will es unbedingt mitnehmen. Das hätte er sich nämlich gerne an seine Zimmerdecke gehängt. Na gut, darf er …. 🙂
Er lässt es aber bald bleiben, das ist so schwer und groß, dass das keinen Wert hat.

Also weiter gehts. Hegel hüpft auf den Steinen herum, als hätte er noch nie etwas anderes gemacht. Aber er weiß natürlich mittlerweile, dass er aufpassen muss. Nach einer Weile bleibt er stehen, er hat etwas Neues entdeckt. Wieder etwas, das er noch nie gesehen hat.

Das ist ein Schleusentor, auch Siel genannt. Die Schleusentore schließen sich automatisch bei Flut, das Wasser drückt sie zu, so dass es nicht auf die Hallig fließen kann. Bei Ebbe öffnen sich die Tore und Wasser, das auf der Hallig ist, kann auslaufen ins Meer. So zum Beispiel bei einem Landunter. Dann muss das Wasser schnell wieder von der Hallig runter. Hegel bekommt beinahe den Mund nicht mehr zu. Das ist ja spannend!

Aber jetzt muss Hegel doch erstmal Pause machen, der Weg hierher war doch ganz schön weit. Erst setzt er sich auf der Bank hin, dann entdeckt er aber etwas anderes.

Ein Strandabschnitt voll mit Muscheln. Hegel steht aber schnell wieder auf. Das hat überall ganz schön gepiekst.
Zurück geht es über einen schmalen Pfad durch blühende Fennen…


und über einge kleine Brücken hinweg. Das ist natürlich wieder etwas für Hegel.

Wagemutig hüpft er auf den Brücken hin und her, weit hinunter geht es ja nicht. Nur an der letzten Brücke ist ihm etwas mulmig, da greift er gerne zur helfenden Hand.

18 – Hegel an der Kante

Heute ist Hegel an der Kante unterwegs. Hier sagt man zum Weg am Deich entlang Kante. Das ist schon wieder etwas Neues, das Hegel lernt. Hegel schaut die Kante entlang „Das ist aber ganz schön weit bis zur nächsten Warft.“

Hegel ist natürlich nicht auf dem Weg unterwegs, sondern hüpft und steigt ständig zwischen den großen Steinen herum. Diese hier sind zusätzlich mit einer Zementmasse miteinander verklebt, da sie sonst vom Meer weggeschwemmt würden.

Die nächsten sind wieder ganz anders aufgeschichtet. Sie sind miteinander so verkeilt und verklemmt, dass sie auch ohne Klebemasse halten. Da muß Hegel ganz schön aufpassen, dass er nicht in eine der Spalten gerät und hängen bleibt.

Unterwegs kommt er sogar an einem Übergang vorbei, über den z.B. Krankenwagen oder der Küstenschutz mit den Baumaschinen auf den Deich raus fahren können.

Und noch etwas Besonderes fällt Hegel auf dem weiteren Weg auf. Da werden die Steine plötzlich sehr viel kleiner und der Deich ist gar nicht mehr so hoch. Hegel bleibt stehen, schaut hin und her, vor und zurück, aber er kann sich nicht vorstellen, wozu das gut sein soll.

An diesem Abschnitt kann bei einem Hochwasser, also einem Landunter, das Wasser wieder schnell von der Hallig ins Meer zurück laufen. Sonst würde es tagelang auf den Fennen stehen. Hegel schaut fragend „Fennen“?
Ja, Fennen sind die Wiesen hier.

Hegel springt und hüpft weiter und bleibt plötzlich wieder stehen. „Was ist denn das für eine Sauerei hier?“ Tja, da hat eine Möwe ihr Frühstück verspeist und flog einfach davon, ohne abzuräumen…

Kaum ist er ein paar Schritte weiter, als er abrupt stehen bleibt. „Ein Gekreische, ein Geschrei und Pfeifen ist das, da braucht man ja Ohrschützer.“
Vor ihm auf dem Weg sitzt eine kleine Schar Austernfischer, die machen immer einen ziemlichen Wirbel

und hinterlassen ziemlich viel …..

Kaum ein paar Meter weiter muss Hegel schon wieder stehen bleiben. Was ist denn nun das schon wieder? Wird da ein Weg gebaut. Seltsam, sehr seltsam sieht das aus ….

Hegel steigt runter und tappt auf den kunterbunt aufeinander liegenden Steinen rum, ohne jedoch schlauer zu werden. Später erfährt er von einem Mitarbeiter des Küstenschutzes, dass dies Steinbuhnen sind. Die verhindern, dass an der Küste der Sand und das Watt weggespült wird und können auch dazu beitragen, dass neues Land entsteht. Hegel macht ganz große Augen. Darauf wäre er ja nie gekommen. Aber da wo Hegel herkommt, gibts auch kein Meer, deshalb kann er das auch nicht wissen.

Hegel ist schon recht müde, der Weg an der Kante entlang bis zur nächsten Warft war noch weiter, als er gedacht hatte. Die letzten Meter mag er gar nicht mehr so recht laufen. Aber dann sieht er wieder etwas, das ihm sehr gefällt und er rennt vorne weg…

„Yippieeee“ ruft er und hüpft und hüpft „ich will drunter stehen und duschen “ Und gleich drauf ist er patschnass!

Als Hegel wieder zu Hause ankommt, ist er so müde von der langen Tour, dass er eins, zwei, drei und hopps im Bett ist. Und sofort einschläft und von eckigen, runden, flachen, verklebten und vielen anderen Steinen träumt.

17 – Hegel geht in die Schule

Heute will Hegel wissen, wie das hier auf der Hallig Langeneß mit der Schule ist. Soooo groß ist ja Langeneß nicht und hat auch nicht so viele Einwohner. Ob es da überhaupt eine Schule gibt?

Gut, dann wollen wir mal sehen, ob wir eine Schule finden. Hegel marschiert schon richtig stramm voran und auf einmal hüpft er wie ein Känguruh „hier ist die Schule, aber die können ja nicht mal richtig schreiben. Das steht ja ‚Halligschool‚ „.

Aber das weiß Hegel natürlich nicht, dass das friesisch ist und auf der Hallig so heißt.


Das Schulhaus sieht richtig groß aus und bei so einem schönen Eingang und Garten macht es bestimmt Spass in den Unterricht zu gehen. Hegel lugte durch die kleinen Fenster an Türe und Klassenzimmer rein, aber alles war leer.

Ferien, natürlich. Jetzt interessiert Hegel aber doch, wieviele Schüler das hier überhaupt sind. Als er es hört, ist er von den Socken, das muss ja super sein! Fünf Schüler sind es derzeit und zwei Lehrer. Nach der 9. Klasse müssen die Schüler aufs Festland und dort in die Schule.


Und dann sieht er auch noch den Sport- und Spielplatz mit Schaukel, Rutsche und so weiter. Er rennt natürlich gleich runter und hüpft auf die Schaukel. Das lässt er sich nicht entgehen.

Am liebsten wäre er hier den ganzen Tag vollends geblieben. Aber leider hatte er nichts zu essen und trinken dabei. Naja, vielleicht kommt er ja nochmals hier vorbei, das ist richtig toll.

16 – Hegel und das Luftschiff

Hegel ist schon wieder gespannt, wo es heute hingeht. Die Sonne scheint und der Wind, der hier fast immer weht, lässt es nicht ganz so heiß werden. Da kann man auch ein paar Schritte weiter gehen. Schon von weitem sieht Hegel auf einer Warft ein großes Gebäude stehen, daneben steht ein kleines Türmchen. Was das wohl sein wird?

Als er unten an der Warft ankommt, weiß er was es ist. Die Warft trägt den Namen des Gebäudes.

Beim Hinaufgehen sieht er endlich auch, was das für ein Türmchen ist.

Das muss er sich natürlich genauer anschauen und rennt gleich los. In dem Türmchen hängt eine große bronzene Glocke.

Das hat Hegel noch nie gesehen. Glocken natürlich schon, aber dass sie neben der Kirche in einem Türmchen aufgehängt sind, ist neu für ihn. Hm….. aber wieso hängt die nicht oben auf dem Dach der Kirche, wie bei den anderen Kirchen auch?

Er überlegt und grübelt, sieht sich das alles nochmals genau an. Er denkt nach und dann fällt es ihm plötzlich ein. „Natürlich! Wenn die Glocke auf der Kirche in einem Glockenturm hängen würde, dann könnte es ja sein, dass sie bei einem starken Sturm oder einem Orkan heruntergeweht würde. Gar nicht dumm, die Glocke unten aufzuhängen.“

Aber nun will Hegel endlich auch in die Kirche rein. Als er durch die große schwere Kirchentüre hinein geht und in die Kirche hineinschaut, kommt er aus dem Schauen und Staunen gar nicht mehr heraus. Was für eine interessante und spannende Kirche das ist!

Die ganze Decke ist bemalt mit Bildern und Ornamenten, auch Texte stehen dort. Hegel schaut sich alles genau an. Dabei wäre er beinahe umgefallen, weil er den Kopf so weit nach hinten in den Nacken legte, dass er fast das Gleichgewicht verlor.

Aber das Interessanteste von allem war das Segelschiff, das mitten im Kirchenraum unterhalb der Decke in der Luft hing. Das war ja ein Ding! Ein richtig altes Schiff, so wie sie früher zur See gefahren sind.

Und hier hängt es mitten in der Kirche in der Luft. Hegel lacht auf einmal und ruft „Das ist ja ein Luftschiff!“ – Ups …. ist ja keiner hier sonst.

Als Hegel wieder draußen vor der Kirche ist, schaut er sich noch den Friedhof an. Dort liegen an einer Seite lauter alte Grabsteine.

Hegel entdeckt sogar einen, auf dem steht, dass der Verstorbene ein richtiger Kapitän war. Ob das Schiff in der Kirche wohl seines war?

15 – Hegel auf der Warft

Heute ist Hegel schon wieder sehr gespannt. Es soll zu einer Warft gehen. Naja, das hat er nun schon ein paar gesehen und wohnt natürlich auf einer Warft. Geht ja gar nicht anders hier. Aber die Warft, zu der es heute geht, wird ganz neu gebaut. Dort gab es zwar vorher auch schon eine, aber die wurde abgetragen. Das ist einerseits sehr schade, denn das Haus, das darauf stand, war noch so, wie es ganz früher einmal war. Aber es war schon sehr alt und die Warft war zu niedrig. Das hätte bei einer Sturmflut gefährlich werden können. Deshalb wird jetzt eine neue gebaut, die viel höher ist.

Für den Bau der Warft wurde sehr viel Erde gebraucht, so viel gibt es hier auf der Hallig gar nicht. Deshalb musste sie mit Schiffen hierher transportiert werden.
Hegel muss sich bremsen, er wäre am liebsten gleich losgerannt. Zur „Treuberg“, so hieß die Warft früher und so heißt auch die neue Warft noch.

Aber das ist schon noch ein Stück dortin. Als er dann endlich oben ankommt, bleibt er plötzlich stehen. „Aber da fehlt ja noch Erde, da ist ja noch ein riesiges Loch. Und reingeregnet hat es auch schon.“

Aber da hat sich Hegel getäuscht, das ist kein Loch, das noch aufgefüllt werden muss. Das ist ein Fehting, so heißt das hier. Das ist ein Wasserbecken, in dem das Regenwasser der Häuser gesammelt wird. Früher wurde damit das Vieh getränkt, denn Wasserleitungen gab es damals noch nicht. Und Meerwasser kann man ja nicht trinken, das ist viel zu salzig. Heute braucht man den Fehting eigentlich nicht mehr, denn mittlerweile gibt es Wasserleitungen. Aber jede Warft hat noch einen, das gehört einfach dazu.

Hegel schaut sich um und läuft auf der Warft hin und her. Er meint, dass das ganz schön groß ist hier oben.

Da hat er recht, da werden fünf Häuser drauf gebaut. Aber das dauert noch etwas, erstmal muss hier dichtes und kurzes Gras wachsen, damit die Erde auch liegen bleibt und nicht vom ständigen Wind weggeweht wird.

Dann steigt Hegel noch auf einen Holzstapel und dreht sich im Kreis herum. „Eine richtig tolle Aussicht hat man von hier oben!“


Das stimmt, man sieht unendlich weit, weil ja alles eben ist und es keine Hügel oder Wälder gibt. Auf einmal muss sich Hegel aber ganz schnell hinsetzen. Vor lauter um sich herumdrehen, hat er den Drehwurm bekommen und es wurde ihm schwindelig

Als es Zeit für den Rückweg ist, steht Hegel wieder auf und geht hinüber zu der Auffahrt, die er vorhin hochgelaufen ist. Plötzlich bleibt er stehen und bekommt große Augen. „Die sind ja viel größer als ich!“

Hegel hat zwei Gänsefedern gefunden, die sind tatsächlich größer als er selbst. Aber da sie federleicht sind, kann er sie dennoch gut tragen und mit nach Hause nehmen.

Unterwegs muss er aber doch nochmal Halt machen und kurz ausruhen. Im Schatten der Strandflieder macht er eine kurze Pause.

Auf dem weiteren Weg kommt er noch an einer kleinen Gruppe von Kühen vorbei. „Die sind aber noch bleich, die müssen aufpassen, dass sie keinen Sonnenbrand bekommen!“ ruft Hegel und grinst.

14- Hegel und der Marterpfahl

Hegel geht noch voller Mühlsteine und Segel im Kopf die Auffahrt der Warft hinunter. Er bleibt plötzlich stehen. Was ist denn das für ein großer Pfahl. Gibts hier Indianer und Marterpfähle?

Hihihi …. das gibts hier sicher nicht. Es ist ein Pfahl, auf dem die Hochwasser, die hier „Landunter“ heißen, markiert sind.
Ganz unten setzt sich Hegel an die erste weiße Markierung. So hoch steig das normale Landunter. Da kann man dann schon nicht mehr mit dem Auto fahren oder auf der Straße gehen. Nur noch die Warften schauen aus dem Meer heraus.

Der gelbe Pfeils zeigt auf ein Hochwasser vor bald 400 Jahren. Damals haben die Inseln und Halligen noch keine so hohen Deiche gehabt, die sie vor den schweren Stürmen und Sturmfluten geschützt haben. Alles wurde überschwemmt, die Häuser versanken im Wasser und viele Menschen sind dabei gestorben. Heute ist das gottseidank nicht mehr der Fall. Alle Deiche und die Warften sind so hoch gebaut, dass so etwas nicht mehr passiert.

Der grüne Pfeil zeigt auf ein Hochwasser vor zehn Jahren, damals war der Großvadder auch hier. Das war ganz schön spannend und interessant.

Puh…. Hegel ist jetzt richtig vollgestopft mit neuen Dingen, die er heute gesehen und gelernt hat. Ihm dreht sich bald der Kopf. Heute Nacht wird er wohl träumen von der Mühle auf den Schienen, das Segel an der Pricke oder die Lore im Hochwasser oder war das doch ……?

Egal, jetzt nichts wie heim und etwas essen und ausspannen. Als Belohnung für so viel neu Gelerntes möchte Hegel noch auf bleiben und den schönen Sonnenuntergang mit anschauen. Natürlich…!


13 – Hegel und die Lore

Hegel ist schon früh aufgestanden. Heute sollte er Lore kennenlernen. Uihh….wer das wohl ist? Hegel hüpft ständig um einen rum und fragt ununterbrochen nach Lore. Ein wenig Geduld muss er noch haben.
Zu Fuß geht es am Meer entlang zur Nachbarswarft. Auf dem Weg kommen sie auch an einem seltsamen Pfosten vorbei, ganz oben drauf ist ein Reisigbesen.

Gibt es hier Riesen, die ihren Besen abgestellt haben, fragt Hegel.
Nein, es gibt keine Riesen hier. Das ist eine Pricke. Diese Stangen werden hier verwendet, um im niedrigen Wasser den Booten den Weg anzuzeigen, wo es tief genug ist um nicht aufzusitzen. Und hier hat sie wohl jemand aufgestellt, damit er bei Hochwasser sieht, wo seine Auffahrt auf die Warft ist.
Achso…..meint Hegel, was es alles gibt.

Endlich lernt Hegel die Lore kennen. Aber welch Überraschung, das ist ja gar kein Mädchen. Er hatte schon überlegt, was sie für Haare hat und wie alt sie ist. Hihihi….

Das ist eine Segellore, damit fuhren die Halligbewohner früher, als es noch keine Motoren gab, auf Schienen über einen Schienendamm zum Festland. Damit sie überhaupt vorwärts gekommen sind, haben sie das Segel aufgespannt. So kamen sie mit Windeskraft voran. Also genauso wie ein Segelboot auf dem Wasser. Hegel kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Er setzt sich gleich vorne an den Mast und wäre am liebsten gleich losgesegelt.

Aber zum einen geht das natürlich nicht und zum andern giebt es gleich nebenan noch so ein seltsames Ding. Was das wohl ist?

Ein Haus mit Flügeln, kann das vielleicht fliegen?

Hegel schaut ganz ungläubig auf dieses Haus. Komisch, es ist auch auf Stelzen gebaut, hm….?

Das ist eine Bockmühle. Damit haben früher die Bauern ihr Getreide gemahlen. Der Wind hat die Flügel angetrieben und innen in der Mühle hat sich dadurch ein großer schwerer Mühlstein gedreht und die Getreidekörner zerdrückt. Irgendwann ist es dann zu Mehl geworden. Wenn die Mühle einen Tag lang gelaufen ist, konnten die Bauern 5 große Säcke Getreide mahlen, das waren 250 kg. So viel wiegen ungefähr drei oder vier erwachsene Leute.

Hegel bekommt so langsam wieder Hunger. Also geht es wieder nach Hause. Aber arg weit kommt er nicht.

Was er nun entdeckt hat, steht in der nächsten Folge.