32 – Hegel bekommt einen Anruf von Kommissar Hein

Hegel hängt in seinem Sessel und döst vor sich hin. Er war vorhin draußen im Wald unterwegs und ist jetzt hundemüde.

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Er ist gerade am Einschlafen …. dann klingelt das Telefon. Einmal, zweimal, dreimal….
Hegel denkt, das würde er träumen. Als es aber das fünfte Mal so penetrant geklingelt hat, merkt er, dass es echt ist.

Schnell greift er das Telefon und schaut erst mal wer da anruft.
Kommissar Hein steht auf dem Bildschirm.

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Oha!
Er drückt auf die grüne Taste.

Hallo Hegel, hier ist Dein Großonkel Hein, kannst Du Dich noch an mich erinnern?

Und ob Hegel das konnte. Den Großonkel hatte er vor vielen Jahren kennen gelernt, als er auf der Hallig zu Besuch war. Der Hein ist ein lustiger Kerl, spritzte einen immer nass. Hahahaha…..

Hör mal zu Hegel, ich brauche Deine Hilfe. Hier auf der Hallig treibt die Krabbenbande ihr Unwesen. Ich kann ja nichts mehr machen, bin schon länger im Ruhestand und auch nicht mehr der Schnellste. Und auch mein Kollege, der Joey Hava, ist nicht mehr im Dienst. Da dachte ich, der Hegel ist ein fixes Kerlchen und könnte den Fall übernehmen. ‌Wär das was für Dich? Ich würde Dir natürlich helfen, wo ich kann.

Hegel überlegt und stammelt …
ich bin doch kein Poli…, kenn mich doch gar nicht…. und wann soll i ….

Er wird unterbrochen.
Ach Hegel, Du bist doch ein kluger und mutiger Bursche, der alle in den Sack stecken kann. Oder täusche ich mich?
fragt Hein listig nach.

Da kann Hegel natürlich nicht mehr ‚Nein‘ sagen. Naja, denkt er … eigentlich hat Großonkel Hein völlig recht, ich bin ja schon ein kluges Kerlchen und auch mutig.
Also gut Großonkel Hein, ich komme. Ich muss noch ein paar Sachen erledigen, einkaufen und zum Frisör und …
Weiter kommt er nicht.

Hegel Du musst sofort losfahren, es eilt. Such Dir jemand, der Dich schnell hierher fährt.

Ohje, auf was hat er sich da eingelassen.
In Ordnung Großonkel Hein, ich komm so schnell wie möglich!

Tschüss Hegel, bis bald
und schon hat es klick gemacht. Weg ist er.

Ohjeee, ohjeee denkt Hegel. Ich habe doch keine Ahnung von der Ganovensuche. Und wer ist ‚Dschoehawa’?

Hegel kramt in seiner Fotokiste und findet sogar noch ein Foto von seinem Großonkel Hein.

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Da fällt ihm ein, dass er einmal einen Film von Großonkel Hein gesehen hat, in dem er einen Fall gelöst hatte. Den muss er unbedingt vorher noch anschauen.

Und dann muss er noch jemanden finden, der ihn auf die Hallig fährt.
Aber erstmal sucht er den Film …

Fortsetzung folgt ….

31 – Hegel im großen Sandkasten

Hegel ist mal wieder so richtig in Fahrt gekommen. Man konnte ihn kaum halten. Er wollte sofort los rennen, am liebsten alles anfassen und dran rumbauen. Ohjeeee….. das wär ein Unglück gewesen! 

Aber der Reihe nach. Beim Besuch der Festung in Lappeenranta war er zunächst richtig griesgrämig, hatte zu nichts Lust und nörgelte an allem rum. Man musste ihn immer anschubsen, damit wir vorwärts kamen.

Aber dann, aaaaaber dannnn! Hegel wollte gleich losrennen. Gut dass wir darauf vorbereitet waren und ihn bremsen konnten.

Wir waren an einer riesigen Sandburg angekommen, die hier jedes Jahr im Sommer von Künstlern aufgebaut wird. Die war richtig groß und man konnte sogar reingehen. 

An und auf der Sandburg waren ringsherum lauter Figuren und andere Dinge aus Sand ‚geschnitzt‘ worden. So sagt man dazu, wenn man so eine Figur aus Sand macht.

Hegel wollte natürlich alles sehen und gleich dran rumbauen. Aber nachdem wir ihm erklärt hatten, dass er dadurch alles kaputt machen würde, hatte er es eingesehen und hielt großen Abstand.

Die Figuren sind alle nur aus Sand gebaut und Wasser natürlich. Dann wird der Sand fest zusammengepresst und danach kann man die Sachen schnitzen. 

Damit beim nächsten Regen nicht alles zusammen fällt, kommt am Schluss ein normaler Holzleim drauf, so hält es den ganzen Sommer. Hegel hatte aufmerksam zugehört, jetzt war ihm klar, dass schon die kleinste Berührung eine Figur beschädigen konnte. 

Der Reihe nach ist er vor allem Skulpturen herumgehüpft und hat sie von allen Seiten angeschaut. 

Hegel war ganz aus dem Häuschen, aus dem Sandhäuschen sozusagen.

Er fing nach dem Besuch der Sandburg im kleineren Sandkasten nebenan gleich damit an, eine Sandburg zu bauen. Aber ein bisschen kleiner … 😀

30 – Hegel und die Burg des Olaf

Hegel wollte unbedingt eine Burg sehen.

Na gut, das werden wir auf dem Weg durch Finnland bestimmt eine finden.

Es dauerte dann auch gar nicht lange, dann stand Hegel vor einer Burg.

Und was für eine Burg das war, heisa. Das war eine Niederungsburg. Die Burg stand nicht auf einem Berg wie die meisten Burgen. Sie stand auf einer kleinen Insel in einem See und war ringsherum vom Wasser umgeben. Es war die Olafsburg in Savonlinna, das ist in Finnland. Auf finnisch heißt die Burg Olavinlinna.

Die Burg hatte drei ganz dicke fette Türme.

Das eine war der Glockenturm, das andere der Kirchturm und der dritte war der St-Eriks-Turm. Und von jedem Turm konnte man über die Burgmauern zum andern laufen. Auch die Burgmauern waren richtig breit.

Deswegen haben sie auch so lange gebraucht bis die Burg fertig gebaut war: 10 Jahre haben sie daran gebaut. 10 Jahre? Hegel sah seine beiden Hände an. Das waren so viele Jahre wie er Finger an den Händen hatte. Er konnte es kaum glauben.

Hegel wäre zu gerne auf die Türme. Aber an dem Tag, als er da war, waren die Türme geschlossen, weil auf der Burg eine Veranstaltung war. Das große Holztor war geschlossen.

Naja, vielleicht klappt es ein andermal. Hegel war aber dennoch schwer beeindruckt von den dicken Türmen.

Er musste in der darauffolgenden Nacht davon geträumt haben. Immer wieder murmelte er „dick und fett“ und „Olinna“..

Naja, finnisch ist auch nicht ganz einfach…. 🙂



29 – Hegel will wieder mit 

Hegel merkte daheim, dass irgend etwas vor sich ging. Geschäftiges Treiben, Landkarten und Kleider einpacken deutete darauf hin, dass es bald wieder losgeht. Mit dem Camper fort. Da wollte Hegel natürlich dabei sein, das durfte er nicht verpassen. 

Er blieb deshalb stets wach und verkroch sich auch gar nicht mehr in seine Lieblingskiste. Dann war es soweit, alle Sachen waren im Auto. Jetzt aber flugs in die letzte Tasche rein gehüpft, dann war er sicher wieder mit dabei.

Erst später, als er den Motor laufen hörte, krabbelte er heraus und setzte sich ganz vorne hin. An seinen Lieblingsplatz. Da hatte er alles im Blick.

Die ganze Nacht machte er fast kein Auge zu. Am nächsten Morgen war es aber vorbei, er schlief einfach während der Fahrt ein. Das ständige Prasseln der Regentropfen und das Hin und Her des Scheibenwischers war sowas von einschläfernd, dass er sich nicht mehr wach halten konnte. Er schlief ein und schnarchte bald vor sich hin. Wenn er zu laut wurde, schüttelte dr Großvaddr ihn am Kragen.

So verpasste er die erste Fahrt über die Störebelt-Brücke. 

Als es später über eine holprige Straße ging, wachte Hegel auf, rieb sich verdutzt die Augen und ärgerte sich etwas, dass er eingeschlafen war. Die Brücke hätte ihn sehr interessiert.

Aber er bekam bald darauf noch eine Gelegenheit, sogar bei schönem Wetter. 

Von Dänemark nach Schweden kann man über eine sehr lange und hohe Brücke fahren, die Öresundbrücke. Die ist 7845 m lang und 55 m über dem Wasser.

Da können ganz große Schiffe unten durch fahren, selbst wenn sie ein paar Feuerwehrautos oder Mähdrescher übereinander aufgeladen hätten 😀

Die Fahrt über die Brücke war schnell zu Ende. Am anderen Ende musste man an der Grenze nochmals anhalten. Dann war Hegel in Schweden.

26 – Hegel im Watt

Hegel ist schon früh aufgestanden heute. Draußen ist es bedeckt und es windet etwas. Das ist aber ganz normal hier, die Einheimischen würden eher sagen, es sei windstill.
„Was machen wir heute?“ fragt Hegel und klebt mit der Nase schon wieder an der Fensterscheibe.
Natürlich gehen wir raus, das Wetter ist ja gut und dann wird man sehen, was sich ergibt. Bestimmt finden wir etwas, was interessant ist.
Also fluggs angezogen und rüber zur Warfkrone. Hegel zeigt zum Watt „Da ist ja gar kein Wasser heute!“ ruft er.

Er hat bestimmt schon vergessen, dass es an der Nordsee Ebbe und Flut gibt. Jetzt ist gerade Ebbe. Und zwar ziemlich genau auf die Minute.
„Kann man da eigentlich gehen, wo sonst das Wasser ist?“ fragt Hegel. Natürlich, das ist das Watt und ganz normaler Boden, naja eigentlich ist es mehr Sand und an manchen Stellen auch Schlick und Schlamm, da muss man etwas aufpassen, dass man nicht einsinkt.
Hegel läuft sofort runter zur Kante, er will unbedingt mal im Watt gehen. Einverstanden. Da jetzt gerade Ebbe ist, ist das Wasser noch weit draußen und wir haben noch etwas Zeit, um im Watt umher zu gehen. Nur zu weit dürfen wir nicht hinausgehen, weil gleich nach der Ebbe das Wasser wieder ansteigt und das Watt nach und nach überspült.

An der Kante ist sogar eine Treppe, auf der man ins Watt runter steigen kann. Nur muss man aufpassen, da sie sehr glitschig und nass ist. Gleich daneben kommen wir an eine Buhne.

Das ist eine mit vielen großen Steinen aufgeschichtete Sperre. Damit wollte man früher neues Land gewinnen. Heute schützen die Buhnen die Hallig vor den hohen und schweren Wellen, die sich an ihnen brechen und dadurch keinen so großen Schaden anrichten.


Während wir weiter gehen, blickt Hegel zurück und zeigt auf den Boden. „Da sind ja unsere Schuhspuren.“ Das Watt ist hier so weich, dass jeder Tritt einen Abdruck hinterlässt.

Einige Meter weiter ist es noch weicher und man sinkt mit den Schuhen schon etwas ein. In diese Richtung gehen wir nicht weiter. Sonst stecken wir vielleicht fest und kommen nicht mehr heraus. Das will Hegel natürlich nicht.
Er hält sich sowieso schon krampfhaft an dem Riemen vom Fernglas fest und hat jedesmal Angst, dass er ins Watt fällt. Einmal konnte er gerade noch den Kopf zurück ziehen, sonst hätten seine lange Ohren den Wattboden gestreift. Da war nur noch ein lautes „Ihhhhh“ zu hören.

Also machen wir einen kleinen Bogen und kommen hierbei an ein paar kleinen Watt-Inseln vorbei. Die sind nur ein paar cm höher, aber es wächst auf ihnen Seegras und allerhand Muscheln verfangen sich dabei und bleiben hängen.

Hegel hat sich mittlerweile einen neuen Platz gesucht und turnt nun ständig auf der Mütze vom Großvadder rum. Außer lauter Angst, seine langen Ohren könnten ins Watt hängen. Dieser Hegel!

Auf einmal hüpft er auf und ab, dass der Grpßvadder beinahe Kopfweh bekommt.
„Da vorne da vorne, was ist das?“

Als wir näher kommen, sieht man zwei Reihen dunkler Punkte im Watt und im Wasser. Beim nähere hinschauen erkennt man, dass es Holz ist. „Aber was ist das denn?“ will Hegel wissen.

Das sind die Reste von uralten Holzbuhnen, die vielleicht schon hundert oder zweihundert Jahre alt sind und von den Bewohnern damals hier errichtet wurden. Die stecken immer noch tief im Watt und bleiben da bestimmt auch die nächsten hundert Jahre.

Während der weitern Wattrunde entdeckt Hegel noch ein Grasbüschel, das über und über mit Muscheln besetzt ist.

 

Und ein paar Meter weiter sogar noch eine Auster, die aber schon offen ist. Vermutlich hat sie eine Möwe geknackt und geplündert.

Mittlerweile sind wir schon ein ganzes Stück draußen im Watt. Hegel blickt zurück und sieht ganz hinten unsere Warf.

Weiter raus gehen wir nun nicht mehr. Das Wasser fängt jetzt schon wieder leicht an zu steigen. Bevor es in unsere Nähe kommt, wollen wir wieder an Land sein. Nicht dass wir noch heim schwimmen müssen.

Und schon entdeckt Hegel wieder etwas Neuese. „Das da vorne sieht aus wie ein Fluss!“ ruft er und zeigt auf einen Wasserlauf im Watt.


Das ist ein Priel. Das sind Stellen im Watt, an denen der Boden etwas tiefer ist und das Wasser nicht ganz ablaufen kann. Diese können ganz schön tief sein und sogar gefährlich werden. Wenn man bei Flut noch weit draußen im Watt ist und das Wasser schon knöcheltief um die Füße herum schwappt, dann werden diese Priele natürlich noch tiefer. Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, muss man durch den Priel hindurch. Dabei kann das Wasser schon bis Bauchnabel reichen. Oder man muss sogar hindurch schwimmen. Deshalb muss man bei einer Wanderung im Watt immer aufpassen und sich merken, wo solche tiefen Priele sind.
Hegel wäre jetzt an liebsten noch weiter hinauf gestiegen. Aber höher als die Mütze vom Großvadder geht es halt nicht.
„Keine Bange Hegel, dieser Priel hier ist nicht tief und das Wasser ist auch noch weit fort.“

Als Hegel so auf der Mütze rumturnt, wäre er beinahe ausgerutscht und in eine Wattpfütze gefallen. Das wäre was gewesen, Hegel hätte geschimpft wie Rohrspatz. Aber Hegel konnte sich grad noch an einer Schnur festhalten, die um den Hals vom Großvadder hing. Durch das Festhalten zog er dabei ein kleines Kästchen heraus, das an der Schnur befestigt war.


„Was ist denn das für ein Ding?“ rief Hegel gleich, als er wieder festen Boden äähhh Mütze unter den Füßen hatte.

Es ist ein Kompass. Vor allem bei schlechtem Wetter oder im Winter sollte man den im Watt immer dabei haben. Wenn nämlich ein Nebel heraufzieht, dann sieht man vielleicht nur noch 50 oder 100 Meter weit. Und plötzlich weiß man nicht mehr, in welche Richtung man gehen muss. Das wird dann ganz gefährlich, Wenn man aber einen Kompass dabei hat, zeigt einem dieser an, in welche Richtung man gehen muss. Das muss man aber vorher schon einmal üben, damit man auch weiß wie man das richtig macht.
Hegel kratzt sich am Kopf „Uiuiuihhh, das muss man aber aufpassen! Müssen wir jetzt schnell heim gehen?“ Nein, zumindest nicht wegen einem Nebel oder wegen dem Wasser, höchstens wegen dem Hunger. Irgendwo her war ein knurrender Magen zu hören….

Auf dem Rückweg juckt dann Hegel plötzlich wieder aufgeregt auf der Mütze rum und zeigt ganz aufgeregt nach vorne. Hegel hat kleine Häufchen entdeckt, die aus dem Wattboden ragen.


Als wir näher kommen ruft er „Das sind ja Spaghetti, das sind Wattspaghetti, lauter Wattspaghettihäufchen, hihihihi…“.


Nein, natürlich sind das keine Spaghetti, die sehen nur so aus. Das sind die Kothäufchen vom Wattwurm. Der lebt im Watt und ernährt sich von winzig kleinen Lebewesen, die im Wattsand drin sind.


Hegel will natürlich wissen, wie die Wattspaghettihäufchen entstehen. Das ist eigentlich ganz einfach. Der Wattwurm, der im Wattboden in einer Röhre lebt, frisst den Sand und filtert das heraus, was er essen kann. Den Rest stößt er wieder aus, wenn er nach einer halben Stunde an den Ausgang sein Röhre an die Wattoberfläche kommt.

Hegel bekommt ganz große Augen „Das ist ja unheimlich spannend, was es hier im Watt alles gibt!“  Wie recht er damit hat. Aber es gibt noch viel viel mehr solche spannenden Dinge im Watt.

Wir gehen weiter und sehen jetzt schon wieder die Kante. Auf einmal ist wieder dieses Knurren zu hören. Ein paar Mal hintereinander. Das kommt eindeutig von Hegel, der es auch gleich zugibt. Vor lauter Spaghetti und Spaghettihäufchen hat Hegel Hunger bekommen.

„Ich habe Hunger, so einen Hunger, lauf schneller“ treibt er den Großvadder an. „Was gibt es zu essen heute?“ will er wissen.
Großvadder blickt zu ihm hoch und sagt „Heute gibts ‚Großvadder aus der Pfanne‘“ Hegel glaubt das natürlich nicht und fragt nochmals „Nein, sag schon, was gibts heute zum Essen?“. Aber er bekommt wieder dieselbe Antwort.
Hegel schaut ganz ungläubig und überlegt den ganzen restlichen Heimweg, was damit denn gmeint ist. Er ist sowas von gespannt.

Daheim fängts in der Küche bald an zu klappern und brutzeln. Hegel schleicht sich ungeduldig und neugierig am Herd herum. Aber bis zuletzt, weiß er nicht was es zum Mittagessen gibt. Wenn er fragt, bekommt er nur zur Antwort ‚Großvadder aus der Pfanne‘.

Als die Pfanne schließlich auf dem Tisch steht, macht Hegel große Augen, schaut erst fragend hinein und fängt dann so laut zu lachen an, dass er beinahe selbst in die Pfanne gefallen wäre.
„Großvadder aus der Pfanne, hahaha…hahahaha“


Hegel hüpft übern Tisch und gluckst „Großvadder mit nem Käsenbart, nem Käsebart, Käsebart“ und vergisst dabei beinahe seinen Hunger. Es dauert aber nicht lange, da hat Hegel seinen Teller und die letzten Reste aus der Pfanne ratzeputz aufgegessen. So einen großen Hunger hat er gehabt.
„Käsebart, mit Käsebart“ hüpft er davon und lümmelt sich in seine Ecke auf dem Sofa.

25 – Hegel und das Landunter

Nach der langen Fahrt über Nacht ist Hegel den ganzen Tag über müde. Natürlich will er nicht ins Bett, als er ankommt, sondern gleich raus. Und dann muss er ja auch noch seine Sachen einräumen, die er mitgenommen hatte.

So vergeht der Tag und beim Abendessen schläft er dann beinahe ein. Das musste ja so kommen. Während er vom Brot abbeißt, fallen ihm die Augen zu. Er wacht gerade noch rechtzeitig wieder auf, sonst wäre ihm das Brot aus der Hand gefallen.
Und so kommt es, dass er – oh Wunder – gleich nach dem Abendessen ganz freiwillig ins Bett geht. Er hat sich mittags eine schöne Ecke auf dem Sofa ausgesucht, die er sich als „Bett“ hergerichtet hat. Dazu hat er von daheim seine schöne warme Decke mitgenommen. Fluggs schlüpft er drunter ist auch gleich eingeschlafen.

So bekommt Hegel gar nicht mit, dass im Laufe des Abends der Wind immer stärker bläst. Es ist schon nach Mitternacht, da windet und tost es draußen so stark, dass es an allen Hausecken pfeift und mal hier mal da etwas klappert.

Mittlerweile ist aus dem Wind ein starker Sturm und Orkan geworden. Hegel schläft tief und fest, als wäre gar nichts. Das hätte ihn bestimmt interessiert und er wäre wieder mit der Nase an der Fensterscheibe geklebt. Hegel ist jedoch nicht wach zu bekommen, so sehr man ihn auch rüttelt und schüttelt. Aber vielleicht ist es auch gut so, nicht dass er noch raus gerannt wäre. Der Orkan hätte ihn gleich fortgeblasen.

Ein Orkan ist richtig heftig, da fliegen sogar Gartenstühle und Mülleimer durch die Luft. Ein Mensch kann dabei nicht mehr aufrecht stehen, es weht ihn um. So eine starke Orkanböe kann sogar einen Lkw umwerfen.
Von all dem bekommt Hegel gar nichts mit. Er schläft tief und fest bis zum Morgen.

Aber dann. Als Hegel aufsteht und zum Fenster rausschaut, reibt er sich die Augen, schaut wieder raus, reibt sich nochmals die Augen, denn er glaubt erst gar nicht was er sieht.
„Schnell, schnell komm her, da ist ja alles überschwemmt! Rings um uns herum ist Wasser!“
Hegel hat richtig gesehen, rings um die Warft ist Wasser, die Nordsee ist über die Hallig geschwappt.
Der Orkan hat vom Meer her so stark geblasen, dass es eine Sturmflut gab. Dabei weht es so stark, dass es hohe Wellen gibt und diese über den Deich auf die Halligwiesen herein brechen. Und weil das Wasser während der Flut immer mehr ansteigt, wird die Hallig nach und nach überschwemmt. Das ist dann ein „Landunter“. Alles Land ist unter Wasser.

Halt, so ganz stimmt es nicht. Die Warften, auf denen die Häuser stehen, sind nicht unter Wasser. Die stehen ja auf Hügeln, die ein paar Meter höher sind als die Wiesen. So hoch steigt das Wasser nur ganz ganz ganz selten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hegel will alles ganz genau wissen. Und vor lauter fragen und erklären vergessen er und Großvadder fast das Frühstück. Und es fällt ihnen grad noch ein, schnell ein Foto zu machen.

Später bläst der Sturm nicht mehr so stark und da mittlerweile Ebbe ist, läuft das Wasser wieder langsam ab und hier und da schauen schon wieder die Wiesen heraus.

 

Hegel ist nach dem Frühstück kaum mehr zu halten. Er will natürlich raus und alles aus der Nähe sehen. Das ist jetzt auch möglich, es windet zwar noch heftig, aber Hegel drückt sich ganz in die Jackentasche vom Großvadder rein.

Wer Hegel kennt, der weiß natürlich, dass er da nicht lange drin bleibt. Und so ist er dann auch recht schnell ganz vorne am Wasser.


Ringsherum um die Warft ist jetzt die Nordsee. Die Straße ist noch völlständig überschwemmt und auch der Deich ist noch unter Wasser. Hie und da gibt es jetzt schon wieder ein paar Stellen, die schon wieder aus dem Wasser heraus schauen. Auch die Zäune ragen wieder nach und aus dem Wasser. Das alles war vor ein paar Stunden noch alles vom Wasser überflutet und nicht zu sehen. Da wo Hegel jetzt steht, war die Nordsee.

An der Warft sieht man jetzt auch ganz gut, wie hoch das Wasser heraufkam. Den dort liegt ringsherum der Treibsel. So sagt man hier zu dem Flutsaum.

Das ist die Höhe bis zu der das Wasser angestiegen ist. Da bleibt allerhand liegen, was das Wasser mit anschwemmt. Äste, ausgerissene Grasbüschel,  Bretter die abgerissen wurden, Fischernetze und Schnüre, Flaschen, Schuhe und…. ach einfach alles, was so auf dem Meer treibt oder was irgendwo von dem Orkan fortgeweht oder losgerissen wurde.

Eine Weile später, es ist etwa um die Zeit der Ebbe, schauen noch mehr höher gelegene Stellen aus dem Wasser heraus. Dort wo die Wiesen etwas höher liegen, kommen schon wieder Gänse angeflogen und picken sich aus dem aufgeweichten Boden ganz leicht leckere Gräser und Wiesenkräuter heraus.

Und hinterlassen leider danach aber auch sehr viel Dreck. Man schafft es nicht, über die Wiesen zu gehen ohne in eine Hinterlassenschaft der Gänse zu treten.

Später wird der Wind wieder etwas stärker und stürmisch und drückt das Wasser wieder etwas auf die Hallig. So dauert es dieses Mal etwas länger, bis das Landunter vorüber ist und man wieder überall gehen und fahren kann. Aber nach einem Tag ist normalerweise alles wieder beim Alten.

Für Hegel ist das wieder ein sehr spannender Tag gewesen. Er plappert den ganzen restlichen Tag nur noch von Sturmflut und Orkan, Hochwasser und Landunter ….

24 – Hegel und der Rucksack

Der Großvaddr hat angefangen den Koffer zu packen, weil er für ein paar Tage auf Langeneß möchte. Natürlich darf Hegel auch wieder mitkommen, es hatte ihm im Sommer ja so gut gefallen. Aber der Bursche war nirgends zu finden. Er saß nicht an seinem Lieblingsplatz, von dem er alles überblicken konnte und war auch nicht im Bett. Das macht er nämlich auch hin und wieder, verdrückt sich still und heimlich ins Bett für ein Nickerchen.

Egal wo Großvaddr auch nachschaut, Hegel ist nicht aufzufinden. Kurz vor der Abfahrt nochmals nachgeschaut und gerufen, aber von Hegel keine Spur.
Naja, länger warten ist auch nicht möglich, weil die Fähre pünktlich abfährt und sicher nicht auf Hegel wartet. Dann hat er eben Pech gehabt.
So startet Großvaddr alleine und fährt am frühen Abend los.

Mitten in der Nacht raschelt und knarzt es in der Nähe des Beifahrersitzes. Was war das denn? Hm… wieder Ruhe, vielleicht der Wind draußen. Aber nach einer Weile…. Ja was ist denn da los? „chrrrr…pfhhh…..chrrrr….pfschhfshhhh….chrrrrrr…tschhhhhhhh“ Da schnarcht doch jemand!
Und plötzlich bewegt sich etwas am Rucksack, er wackelt und es scharrt. Und plötzlich taucht Hegel auf.

„Hegel? HEGEL! Ja um alles in der Welt wo kommst Du denn her“ ruft der Großvaddr. „Du warst also der Schnarchzapfen!“

Hegel erzählt, dass er schnell in den Rucksack gehüpft ist, als er mitbekommen hat, dass es auf die Hallig geht. Er wollte auf jeden Fall dabei sein und dachte, es sei das Beste, wenn er gleich in den Rucksack steige. Nicht, dass er noch vergessen wird. Und weil es im Rucksack so dunkel ist, sei er wohl eingeschlafen.
Dieser Schlingel, versteckt sich einfach im Rucksack. Da hätte er ja ersticken können, bei all dem Zeugs das oben drauf gepackt war. Naja, es ist nochmals gut gegangen.

Es ist schon weit nach Mitternacht und die Hälfte der Strecke schon geschafft. Hegel sucht sich sogleich einen Logenplatz, von dem aus er alles beobachten kann, was auf der Autobahn los ist.

Und schon bald sieht er auch die Hafenanlagen von Hamburg.

„Der Elbtunnel, der Elbtunnel kommt gleich“ ruft er ganz aufgeregt. Da will er natürlich ganz vorne dabei sein. Mit der Nase an der Scheibe.

Am frühen Morgen und schon bald am Ziel wird erst einmal eine Schlafpause gemacht. Als es gerade anfängt Tag zu werden, geht es weiter. Jetzt ist es nimmer weit.


Draußen regnet es Bindfäden. Auf den Wiesen und Äckern steht überall das Wasser. Da könnte man selbst mit einen großen Traktor nicht mehr hinein fahren.

Noch im Supermarkt und am Hofladen kurz gehalten und eingekauft, schon geht es die letzten Kilometer zur Anlegestelle. Draußen pfeift ein frischer Wind und es ist sehr neblig.
Bald schon kommt die Fähre, die Hilligenlei, die vom Festland aus zur Hallig Hooge und Hallig Langeneß fährt.
Natürlich ist Hegel wieder ziemlich fluggs auf dem Armaturenbrett, vorne dran, um alles genau beobachten zu können. Und schon gehts los.

Der Kontrolleur winkt die Autos auf die Fähre und schon gehts rumpel die pumpel über die Rampe auf die Fähre.

Hinter uns kommt noch der Hallig-Kaufmann, dann fährt auch schon die Rampe hoch und der Schiffsmotor fängt an zu dröhnen. Der Kapitän dreht die Fähre noch im Hafen um und dann stampft sie sich durch die Wellen hinaus aufs Meer. Hegel macht ein paar Schritte auf dem Oberdeck und vor zum Bug.

Aber es ist so neblig, dass man kaum etwas sieht. An der Hallig Hooge will Hegel noch kurz zuschauen, es steigen viele Passagiere aus.

Danach dauert es nicht mehr lange, dann legt die Fähre auf der Hallig Langeneß an.

Zuerst dürfen die Transportwagen raus, der Traktor fährt auf die Fähre und zieht die Anhänger raus. Danach dürfen die Autos fahren. Jetzt ist vorne alles frei und auch die Passagiere dürfen an Land gehen.

Hegel ist etwas traurig, dass er außer Nebel kaum etwas sieht. Aber er hofft, dass sich das bald ändert.

Hegel freut sich, als er das Haus sieht, wo er wohnen wird. Es ist dasselbe wie im letzten Sommer. Da kennt er sich ja schon gut aus. Jetzt muss er aber erstmal helfen und das Gepäck in die Wohnung tragen und die Sachen einräumen. Als er damit fertig ist, schaut er aus dem Fenster und hüpft aufgeregt auf der Fensterbank umher. Draußen scheint die Sonne und er sieht jetzt wieder über die ganzen Fennen und das Wattenmeer.

Hegel ist mittlerweile ziemlich müde, die meiste Zeit war er beschäftigt mit schauen und rum turnen, immer auf der Suche nach dem besten Platz. Und er ist auch schon ganz schön lange wach. Er kann kaum mehr die Augen offen halten und verschwindet plötzlich ganz still und leise ins Zimmer nebenan, wo er auch schon seinen Lieblingsplatz auf dem Sofa gefunden hat. Es dauert nicht lange, da ist er schon eingeschlafen.

23 – Hegel bei den Schotten

Wie was wo …. Hegel ist in Schottland? Ist der schon wieder unterwegs?

Ja. Nein. Ja was nun?
Naja, Hegel ist unterwegs, aber nur hier in seiner Heimat, nicht so richtig weit fort. Aber bei den Schotten ist er trotzdem. Das sind die Rinder, die hier auf der Weide stehen.

Die heißen tatsächlich so wie das Land, aus dem sie eigentlich herkommen. Schottische Hochlandrinder. Hegel will sich das natürlich näher anschauen. Am liebsten wäre er gleich über den Zaun gehüpft und über die Weide gerannt. Das geht natürlich nicht, da würde er die Rinder ja ganz schalu machen. Also schön außenrum gehen.
Langsam darf Hegel näher hin gehen und dann kommen die Kleinen auf Zurufen schon daher.

Hegel ist ganz hibbelig, hüpft und zittert, schaut vor zurück und weiß nicht so recht, ob er jetzt Angst haben soll oder rumhüpfen muss. Natürlich keines von beiden, nur warten. Und sie begrüßen Hegel noch mit lauten und kräftigen „muhhhhhh…muhhhhh…muhhhhh“.

Und dann sind sie auch schon ganz nah.

Hegel freut sich wie Bolle. So nah hat er das noch nicht gesehen. Hihihi – was die für eine Zauselfrisur haben. Die sehen ja kaum aus den Augen. hihihiiiihiiii.. Hegel lacht und lacht…. und wird, als er sich kurz umdreht, immer kleiner und mucksmäuschen still und schlüpft fast in meine Jacke.

Ohne es zu merken hat sich der Papa der Kleinen von der anderen Seite her genähert. Aber Hegel muss keine Angst haben, das ist ein ruhiger Papa und will nur wissen, was hier los ist. Vor allem wer denn dieser hipfelige kleine Geselle am Zaun ist.

Als Hegel merkt, dass der Papa nicht näher kommt, dreht er sich wieder den Kleinen zu.

Eines davon ist jetzt zum Greifen nah gekommen. Hegel freut sich riesig. So nah hat er das noch nicht gesehen. Der Kleine, der jetzt direkt gegenüber steht, ist genauso neugierig wie Hegel selbst. Der würde vielleicht auch am liebsten her kommen. Aber der traut sich genauso wenig, meint Hegel …. hihihihi.

Von der Seite ist jetzt seine Mama gekommen. Die beiden albern herum und stoßen mit ihren Hörnern gegeneinander – klockkkk  klockkk…..

Nach einer Weile kommt noch der Bauer und bringt den Rindern frisches Heu. Das Gras auf der Wiese würde ihnen nämlich nicht ausreichen. Die müssen ganz schön viel fressen jeden Tag, damit sie richtig satt werden.

Mhmmpfff..mhmmmppppfffff….mhmpppffff….

Denen schmeckt es richtig.
So…. jetzt lassen wir sie aber in Ruhe frühstücken. Wir haben ja jetzt genug gesehen.
Hegel ist richtig glücklich, dass er heute Morgen doch mit spazieren ging. Solche kräftigen und starken und auch solche zotteligen Rinder hat er noch nicht gesehen. Das wird er so schnell nicht vergessen.