Hegel saß mal wieder ganz vorne auf dem Armaturenbrett, mit der Nase fast an der Windschutzscheibe. Da hatte er alles im Blick. Denn heute wurde es spannend. Die Fahrt ging ganz nach vorne ans Meer. Und das war ein ganz besonderes Meer, nämlich das Eismeer. Eigentlich heißt es ja Barentssee oder Arktischer Ozean, aber Eismeer gefiel ihm besser. Dahinter gab es kein Festland mehr nur noch die Arktis und ein Stück weiter nördlich den Nordpol. Aber das war schon noch ein großes Stück.
So sehr sich Hegel auch anstrengte, er konnte kein Land entdecken.
Der Großvaddr fuhr ganz vorne hin an eine große Mauer. Weiter ging es nicht.
„Boaahhh“ rief Hegel, als er die großen Felsbrocken liegen sah. „Wieso liegen denn diese große Brocken hier?“
Er erfuhr, dass dies sogenannte Wellenbrecher sind. Sie werden vor einem ungeschützten Hafen aufgetürmt. Dann werden bei einem Sturm die hohen Wellen ‚gebrochen‘ und fallen dahinter zusammen und spritzen auf. Wenn das nicht wäre, würden sie mit voller Wucht in den Hafen klatschen und die Boote und Schiffe zerstören.
Die Brocken sind so schwer, dass man einen Kran braucht, um sie zu bewegen. Und trotzdem werden sie bei einem sehr schweren Sturm von den Wellen noch verschoben.
Man hat deshalb ganz besondere ‚Wellenbrecher‘ gebaut, die heißen ‚Tetrapode‘.
Die werden dann so ineinander geschoben, dass sie nicht mehr bewegt werden können. An dieser Hafenmauer sind seeeehr viele davon verbaut, insgesamt 11000 Stück. So können auch bei schweren Stürmen die Wellen im Hafen keinen Schaden mehr anrichten.
Hegel war schwer beeindruckt davon.
Er hüpfte noch auf dem einen oder anderen Felsbrocken herum. Etwas vor der Küste entdeckte er noch eine kleine Insel, die vollständig mit Möwen besetzt war. Es gab keinen freien Platz mehr.
Als sie jedoch Hegel entdeckten, flogen sie auf und davon. Hegel verstand das nicht, so gefährlich sieht er doch nicht aus. Oder?
Das Vesper war gerichtet, der Rucksack war gepackt, die Wanderstöcke standen parat, nur …..
„Heeeegel! Heeeeeeeeeegel!“ rief dr Großvaddr so laut, dass ihm Wohnmobil daneben der Hund zu bellen anfing und das Herrchen mit grimmiger Miene aus dem Fenster schaute.
Wo steckte er denn nun wieder. Als Großvaddr im Camper nachschaute, fand er Hegel eingeschnürt und in Riemen verheddert unterm Tisch.
Er hatte sich aus einem Stoffbeutel einen Rucksack gebastelt und sich darin völlig verheddert, als er ihn aufsetzen wollte. Er kam nicht mehr vor und zurück. Großvaddr befreite ihn, nahm in auf die Schulter und band ihn am Rucksackriemen an. Sicher ist sicher.
Endlich konnten sie starten, sie wollten heute eine kleine Trekkingtour durch den Bergwald hinauf auf den Sattel zwischen den beiden Bergen machen.
Sie gingen auf einem schmalen Pfad, der durch den Kiefer- und Birkenwald führte. Der Boden war über und über mit Heidelbeerbüschen übersät. Und große Pilze gab es.
An einem Bergbach machten sie eine erste Pause. Hegel hatte Durst und wollte etwas trinken.
„Du kannst ruhig aus dem Bach trinken, das ist das beste und sauberste Wasser das es hier gibt.“ meinte Großvaddr, „es kommt von ganz oben in den Bergen“.
Hegel hüpfte von der Schulter und trank aus dem Bach.
„Boahhh schmeckt das gut und so frisch wie das ist“, rief er und nahm gleich noch einen kräftigen Schluck. Weil daneben auch Heidelbeersträucher waren, sammelte er einige für eine kleine Zwischenmahlzeit ein.
Danach ging es weiter. Sie kamen bald an einem großen abgestorbenen großen Baum vorbei. Hegel hatte so was noch nicht gesehen. Und hüpfte natürlich gleich auf den untersten Ast. Schwupps… und schon war er auf dem nächsten. Das machte ihm großen Spass. Der Großvaddr warnte ihn aber, dass er nicht auf die dünnen Äste darf, da diese sonst brechen.
Dann ging es weiter. Mittlerweile war der Weg schon steiler und steiniger. Da waren die Wanderstöcke ganz nützlich. Hegel fiel auf, dass es auf einmal immer weniger Bäume wurden. Besonders gefielen ihm die Bäumchen, mit der schönen glatten und weißen Rinde. Er erfuhr, dass dies Birken sind.
„Wir sind jetzt schon so weit nach oben gekommen, dass hier kaum noch etwas wächst. Noch ein kleines Stück und dann gibts nur noch Steine und Fels“ meinte Großvaddr.
Als sie über dem Bergsattel waren und auf der anderen Seite den Bergpfad wieder hinab gingen, zappelte Hegel plötzlich auf der Schulter herum und griff voller Angst dem Großvaddr in den Bart.
„Auuuuuuua — Heegel was ist denn?“
„Dadadada vo vo vorne …..großßes Tietie groooße Stan….“ stammelte er und hatte mittlerweile den Bart wieder losgelassen.
„Das ist doch nur ein Rentier, die sind hier eben unterwegs und tun einem nichts. Schau mal, das ist eine Mutter, dort drüben steht ihr Kind“.
Hegel hüpfte auf die andere Seite der Schulter und machte plötzlich ganz große Augen, fast so groß wie seine Ohren.
Er konnte nicht glauben, was er sah. Ein weißes Tier.
Ein paar Meter neben der Rentiermutter lag das junge Rentier auf dem Boden und schaute zu Hegel herüber. Als wollte es sagen, ‚ich bin genauso klein wie Du und tu Dir nichts.‘
Es hatte sogar schon zwei kleine Geweihtriebe auf dem Kopf. Hegel kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Aber irgendwann mussten sie weiter gehen.
Im Bergwald, durch den sie jetzt wieder abwärts gingen, entdeckte Hegel große Hügel zwischen den Bäumen. Hegel wollte schon auf den Hügel drauf hüpfen, aber im letzten Moment hielt ihn eine schnelle Hand fest. Das ist nochmals gut gegangen.
„Wieso sind da so große Erdhügel zwischen den Bäumen?“ wollte er wissen.
„Das sind Ameisenhaufen, der ganze Hügel sind Ameisen, die fleissig unterwegs sind. Und ganz innen sitzt die Ameisenkönigin. Alle Ameisen arbeiten für sie“, antwortete der Großvaddr. Sie gingen näher zu einem Hügel hin. Da wuselte es nur so von Ameisen.
Als Hegel erfuhr, dass alle Ameisen auf der Erde etwa gleichviel wiegen wie alle Menschen auf der Erde, staunte er nicht schlecht. Das hätte er nicht gedacht.
Als sie bald darauf wieder am Auto angekommen waren, hüpfte Hegel gleich in seine Ecke und malte von allen Dingen, die er heute zum ersten Mal gesehen hatte, ein Bild. So konnte er sich später einmal anschauen, was das für ein toller Tag war heute.
Irgendwas stimmt heute mit Hegel nicht. Er hüpfte schon den ganzen Vormittag auf dem Beifahrersitz hoch, als wolle er sich unbedingt den Kopf an die Decke stoßen.
‚Was ist denn los Hegel?‘ fragte der Großvaddr.
„Ich will einfach mehr sehen können und über die Büsche schauen da vorne“.
„Achsooo, na dann zieh Dich mal ordentlich an und hüpf auf den Rucksack. Dann gehts heute gleich zwei mal höher rauf“.
„Zweimal….?“ fragte Hegel, der schon in der Seitentasche des Rucksacks saß.
Erst ging es am kleinen Hafen entlang, an dem auch Bootshäuschen standen und dann über Stock und Stein durch ein kleines Wäldchen. Es dauerte nicht lange, dann blickte Hegel auf ein großes Ungetüm.
Fragend und ängstlich blickte er Großvaddr an. Der erklärte ihm, dass dies ein ganz normaler Beobachtungsturm ist, auf den sie jetzt hochgehen würden.
Schwups war Hegel aus der Tasche gehüpft und rannte los zum Turm. Als Großvaddr ankam, sah er Hegel wieder hüpfen.
„Ja was ist denn jetzt wieder los?“
„Ich komm nicht da rauf“ jammerte ihm Hegel entgegen. Hegel war einfach zu klein, um die Stufen hinauf zu steigen. Er kam nicht von der einen zur nächsten Stufe. Großvaddr nahm ihn schnell und setzte ihn auf seine Schulter.
Bald drauf stand Hegel oben und schaute über das Geländer.
„Uihhhhh kann man da weit sehen. Bis ganz weit nach hinten. So weit bis man nichts mehr sieht, weil alles zu klein wird.
Hegel rannte auf dem Geländer von einer Seite auf die andre und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Dann erklärte ihm Großvaddr, dass das ganze Land ringsum vor vielen vielen vielen und nochmals vielen Jahren von einer dicken Eisschicht bedeckt war. Die war so dick und dadurch so schwer, dass sie das ganze Land unter ihr hinab drückte.
Hegel schaute Großvaddr misstrauisch an, ob der ihn auf den Arm nehmen wollte?
Großvaddr ahnte das und erklärte Hegel weiter, dass er das daheim einmal selbst mit einem großen Brocken Eis und etwas Erde versuchen könne.
„Ja und wo ist das zweiter Höher?“ wollte Hegel wissen.
Das zweite ‚Höher‘ erklärte Großvaddr, gibt es dadurch, dass dieses hinab gedrückte Land wieder heraufkommt, seit die Eisdecke weg ist. Das geschieht seeeeehr langsam, aber seit vielen vielen vielen Jahren geht das jetzt schon so. Jedes Jahr steigt das Land etwa um einen Zentimeter an.
Hegel zog die Stirn in Falten, drehte die Augen einmal links und einmal rechts, klappte das rechte Ohr runter und meinte: „Dann ist es an dieser Stelle ungefähr 50 cm höher, wenn ich 50 Jahre als bin?“
„Du bist gut Hegel, das stimmt genau“ meinte Großvaddr.
Hegel staunte nicht schlecht und hüpfte vom Geländer auf die Bank, das waren ungefähr 50 cm.. „Uihhhhh“
Als es Zeit war zu gehen, wollte Hegel noch über das innere Geländer schauen. Da ging es gaaaanz weit runter.
Wie lange würde dieses Land hier brauchen um so hoch zu wachsen, überlegte Hegel. Er fragte den Großvaddr. Der meinte nur „Du zählst beim runter gehen die Stufen und dann kannst Du das später ausrechnen.
„1…2…3…4…5…..188…189…..“
Als Hegel am Nachmittag im Camper saß, fing er an „1 Stufe sind 14 cm, das sind etwa 14 Jahre, 2 Stufen sind 28 cm……“ Bei der sechsten Stufe schlief Hegel tief und fest.
„Hegel…. Heeegel….!“ wo ist denn dieser Flegel Hegel jetzt schon wieder? Der wird doch nicht auf der Burg oben geblieben sein?!
„….HEEEEGEL! ….“ Ah, da unten im Rucksack tut sich was. Aus einer Seitentasche lugte der Hegel raus, wischte sich mit einem Ohr die Sandkörner aus den Augen und hüpfte auf den Tisch.
Er war nach der anstrengenden Besichtigung der Burg in Tallinn auf dem Rückweg eingeschlafen.
„Gleich fahren wir mit der Fähr…..“ Der Satz war nicht zu Ende gesprochen, da saß Hegel schon ganz vorne auf dem Armaturenbrett.
Gespannt verfolgte er, wohin die Fahrt ging. Vom Parkplatz fuhr der Großvaddr direkt zum Fährterminal in den Hafen. Von dort aus startete die Fähre über die Ostsee hinüber nach Helsinki. Das ist in Finnland.
Die Schranken zur Einfahrt in das Fährterminal öffneten sich alle automatisch. Und nach einer Weile ging es dann los. Hegel war richtig hippelig. Er zappelte vorne rum, war einmal am linken Fenster, einmal am rechten Fenster.
Als Hegel dann die Fähre sah und merkte, dass der Großvaddr auf ein großes Maul eines riesigen Fisches zufuhr, hüpfte er mit weit aufgerissenen Augen dem Großvaddr auf den Bauch und klammerte sich an seinem Bart fest. Er zitterte wie Espenlaub.
„Auaa! …. Mensch Hegel, was machst Du denn?“
„Ddd….. daa….. Maaauu….“ Hegel bekam kein Wort raus.
„Hegel, das ist doch nur die Fähre und das ist auch kein Maul, sondern die offene Klappe im Schiffsrumpf, zu der die Autos rein fahren“.
Hegel ließ los und der Großvaddr konnte wieder drauf achten, dass er nicht ins Wasser, sondern in die Fähre fuhr.
Innen standen schon viele Autos in dem riesengroßen „Bauch“ der Fähre.
Hegel wusste jetzt nicht, wohin er überall schauen sollte. So viel Neues gabs zu sehen. Aber viel Zeit blieb ihm nicht. Alle mussten das Auto verlassen und hinauf an Deck.
Die Fähre war sehr groß, zehn Stockwerke hatte sie.
Ganz oben konnte man hinaus auf das Deck und sich den Hafen und die Stadt vom Wasser aus ansehen.
Plötzlich sah Hegel einen großen weißen Vogel, den er noch nie gesehen hatte. Oder doch…..? Natürlich, der sah genauso aus wie die auf der Hallig. Es war eine Möwe. Man konnte sogar ganz nah ran.
Aber als Hegel fast bei ihr war, war es der Möwe nicht mehr geheuer. So einen Hegel hatte sie noch nie gesehen und machte den Abflug.
Hegel entdeckte beim Umhergehen auf Deck noch eine weitere große Fähre, die ebenfalls im Hafen lag.
Plötzlich hörte Hegel ein lautes, ein sehr lautes ‚Tööööhhhnnnnn‘ und das ein paar mal. Hegel klappte sich die Ohren ein. Und dann gings los, die Fähre verließ langsam den Hafen und nahm Kurs auf Helsinki.
Hegel stand unter der Flagge und schaute noch lange auf die immer kleiner werdenden Häuser zurück.
Was ihn wohl in Finnland erwarten würde, überlegte sich Hegel. Weiter kam er aber nicht, das monotone Brummen der Motoren und die frische Seeluft ließen ihn bald einschlafen. Natürlich hing er wieder an seinem Stammplatz im Rucksack.
Das sind sie!, raunt Hegel zu Bosse hinüber.
Die Halunken schauen sich immer wieder verstohlen nach allen Richtungen um. Nur einmal ist ein ganz leises Schnattern zu hören, worauf einer vom Nebenmann gleich eine Ohrfeige bekommt. ‚Klatsch‘ – das hören sogar Hegel und Bolle.
Hegel will schon losrennen, aber da hält ihn Bolle Hecht zurück. Hegel, wir müssen noch kurz warten, bis sie die Schatzkästchen aufmachen. Dann haben wir sie wirklich auf frischer Tat ertappt, mahnt Bolle.
Ein paar Minuten später sind die Halunken bei den Schatzkästchen und machen sie auf. Jetzt sehen Hegel und Bolle die fünf Typen genauer, sie sind kräftig und schauen alle finster drein. Ohje, wie sollen sie die nur fangen?
Bolle blickt zum Himmel und sucht nach Harke und Borke. Die sind nicht weit weg und bekommen alles mit. Mit den Flügeln geben sie Bolle ein Zeichen, sie sind bereit.
Los Hegel, jetzt fangen wir sie, Harke und Borke sind auch da, flüstert er Hegel zu. Hier nimm auch ein paar Flügelschellen, er reicht Hegel ein paar rüber.
Hegel steht auf, Also, auf Drei rennen wir los. Eins zwei … und schon rennt er los, Bolle gleich hinter ihm her.
Es ist nicht weit zu den Halunken. Die haben ihre Köpfe noch in den Schatzkästchen und gar nicht mitbekommen, dass Hegel und Bolle kommen.
Jetzt haben wir euch, ihr Halunken!, ruft Bolle als sie nur noch wenige Meter weg sind. Die Bande lässt die Schatzkästchen fallen und rennt weg. Und wie schnell die sind!
Halt! Bleibt stehen! Ihr seid ertappt! ruft Hegel ihnen zu.
Die Halunken aber rennen weiter und heben plötzlich ab.
So eine Sch…eibenkleister! ruft Hegel völlig außer Atem. Bolle Hecht hechelt drei Meter hinter ihm her und bekommt keinen Laut aus sich raus. So ein Pech aber auch! schimpft Hegel, fast hätten wir sie gehabt.
Bolle nickt, immer noch außer Atem.
Dann hören die beiden über sich pötzlich ein Zischen und Rauschen wie bei Starkwind. Als sie zum Himmel blicken, kommen Harke und Borke daher und hinter ihnen ihre Kumpels. Das ist die komplette Boßelmannschaft von Schlammbüssel.
Sie fliegen furchteinflößend schnatternd über sie weg und der Krabbenbande hinterher. Jeder hat einen großen schweren Boßel in der Klaue. Kurze Zeit später haben sie die Halunken eingeholt und umkreisen sie. Die haben keine Chance zu entkommen. Und einen Boßel will auch keiner auf die Flügel kriegen, das tut fürcherlich weh.
Wenig später übergeben sie die Krabbenbande Hegel und Bolle. Die legen ihnen gleich die Flügelschellen an. So, jetzt haben wir ihnen das Handwerk gelegt. Die Falle ist zugeschnappt! Und dank eurer aller Hilfe können wir sie jetzt hinter Gitter bringen. ruft Hegel den vielen Helfern zu. Die gesamte Mannschaft spendet flügelklatschend und schnattrig lachend großen Applaus.
Hegel und Bolle bringen die Krabbenbande anschließend in das Geflugfängnis der Hallig.
Danke Bolle, ohne Deine Hilfe und die der anderen hätte ich das alleine nie geschafft, bedankt sich Hegel bei Bolle Hecht. Ach das ist doch selbstverständlich. Ohne Deinen Einsatz Hegel wäre es gar nicht so weit gekommen, gibt Bolle den Dank zurück.
Hegel lehnt am Zaun und schnauft erst einmal aus. Puhhh, das wäre geschafft!
Beide gehen anschließend zu Großonkel Hein. Der wartet schon gespannt und lässt sich alles haarklein berichten.
Am nächsten Tag kommt ein großer Bericht davon in der Zeitung ‚Der Hallig-Bote‘. Von Hegel ist sogar ein großes Foto drin.
Als Hegel das sieht, freut er sich riesig. Und ist auch ein klein wenig stolz darauf, dass er das mit Hilfe der anderen so gut geschafft hat.
Am andern Morgen verabschieden sich Hegel und dr Großvaddr von Großonkel Hein und Bolle und fahren mit der Fähre wieder zurück ans Festland. Harke und Borke fliegen noch eine Weile neben ihnen her und winken zum Abschied mit den Flügeln.
Auf der Rückfahrt fällt Hegel gleich in einen Tiefschlaf, so müde ist er.
Er träumt von seinem Freund Bolle, von der Boßelmannschaft mit lauter Schatzkästchen in ihren Klauen und natürlich von Harke und Borke. So möchte er fliegen können ….
Gleich nach Sonnenaufgang treffen sich Hegel und Bolle. Auch Harke und Borke sind schon in der Nähe und drehen über ihnen eine Runde.
Hegel legt gleich los, Bolle, ich habe mir folgendes überlegt. Wir stellen der Krabbenbande eine Falle. Dann legen wir uns auf die Lauer und schnappen sie. Was meinst Du dazu?
Das ist eine super Idee Hegel!, ruft Bolle Hecht begeistert. Was für eine Falle stellen wir Ihnen?, will er wissen.
Hegel erklärt ihm, Wir legen einige Schatzkästchen bereit, die so aussehen, als wären sie noch mit Perlen gefüllt. Natürlich sind keine Perlen drin. Wir legen einen Kieselstein hinein und verschließen die Schatzkästchen wieder so, dass es nicht auffällt. Wir warten dann bis die Bande kommt und schnappen sie!
Ja genau so machen wir es, meint Bolle. Schau mal, ich war gestern Abend noch bei Deinem Großonkel Hein. Als ich ging, gab er mir seine Flügelschellen mit. Die können wir gut gebrauchen, wenn wir die Bande fangen. Dann legen wir ihnen diese an und sie können nicht mehr flüchten.
Bolle zeigt Hegel eine der Flügelschellen, die er von Hein bekommen hat.
Das ist ja super!, ruft Hegel. Komm wir machen jetzt ein paar Schatzkästchen fertig. Und dann suchen wir ein geschicktes Plätzchen, wo wir sie so hinlegen, dass sie die Krabbenbande sieht. Wir müssen es aber so machen, dass wir uns in der Nähe verstecken können.
Hegel und Bolle gehen in die kleine Werkstatt auf der Warf, wo sie die Schatzkästchen mit Kieselsteinen füllen und wieder verkleben. So sehen sie aus, als wären sie echt.
Danach schauen sie sich in der Gegend um und suchen einen Platz, wo sie diese hinlegen und sich selbst in der Nähe verstecken können.
In der Nähe finden sie eine geschickte Stelle, um die Schatzkästchen hinzulegen. Sie selbst finden nicht weit weg davon hinter einem Steinhügel ein Versteck.
Auf dem Weg zum Versteck sagt Bolle, Ich lauf noch kurz zum Deich rüber und gebe Harke und Borke Bescheid. Dann können sie in der Nähe bleiben und uns unterstützen.
Ein paar Minuten später kommt er zurück zu Hegel, der schon im Versteck sitzt. Die beiden wissen jetzt Bescheid. Sie informieren noch ihre Kumpel, falls wir noch mehr Hilfe brauchen.
Das ist sehr gut, Hilfe können wir gut brauchen, flüstert Hegel Bolle zu.
Er ist schon ganz aufgeregt und zittert und zappelt zwischen den Steinen rum. Nun bleib doch ruhig sitzen und warte. Du verrätst mit dem Gezappele noch unser Versteck. Die Bewohner da drüben schauen schon zu uns rüber, ermahnt ihn Bolle.
So vergeht eine geschlagene Stunde, ohne dass etwas passiert. Hegel muss sich am Riemen reißen, dass er nicht ständig hin und her hopst.
Die beiden sitzen gespannt in ihrem Versteck. Plötzlich hören sie etwas hinten am Deich.
‚Platsch potsch plutz plotsch plotz …‘ Und auf einmal kommen hinter der Deichkrone ein paar Köpfe hervor. Fünf Gestalten drücken sich vorsichtig unter dem Zaun hindurch. Mit gesenkten Köpfen schleichen sie zu der Stelle, wo Hegel und Bolle die Schatzkästchen hingelegt hatten.
Geh mal am Deich entlang, ruft Hein, da treibt sich Bolle Hecht rum. Der ist voll in Ordnung und hilft Dir. Viel Erfolg bei Deiner Suche!
Danke! ruft Hegel zur Sandbank rüber und macht sich auf den Weg.
Und tatsächlich trifft er schon bald Bolle Hecht. Der guckt ihn anfangs ziemlich komisch an und will sich davon machen.
’Halt! ruft Hegel, ich komme von Kommissar Hein, das ist mein Großonkel, Der hat mich zu Dir geschickt
Bolle hält inne, kneift sein Auge zusammen und fragt misstrauisch Was willst Du von mir?
Da erzählt ihm Hegel die ganze Geschichte. Bolles Gesicht hellt sich auf und er kommt näher ran.
Den Hein kenne ich, wir sind gute Freunde. Und wenn es um die Krabbenbande geht, da helfe ich Dir gerne. Die habe ich nämlich auch auf dem Kieker!
Bolle und Hegel stecken die Köpfe zusammen und beratschlagen wie sie weiter vorgehen wollen.
Erstmal suchen sie die ganzen Deiche ab, ob sie etwas finden. Bolle nimmt die Nordseite und Hegel die Südseite der Hallig.
Nach einer Stunde, Hegel ist schon recht müde, sieht er weiter vorne am Deich etwas liegen, das sehr hell und fast weiß ist. Das fällt richtig auf bei den dunklen Steinen. Schnell springt er hin und ist ganz außer sich, als er sieht, was er gefunden hat.
Lauter aufgebrochene ‚Schatzkästchen‘ liegen auf dem Boden rum. Und alle sind leer. Die ganzen Perlen fehlen.
Das war die Krabbenbande! ruft er aufgeregt. Das ist alles noch ganz frisch, nass und glitschig, das kann noch nicht lange her sein, dass die hier waren.
Vorsichtig sammelt er alles ein uns steckt es in eine Plastiktüte. Da sind bestimmt Spuren drauf von der Bande!, ist sich Hegel sicher.
Er geht mit der gefundenen Beute zurück zur Warf, wo er sich mit Bolle Hecht treffen will.
Bolle wartet schon auf ihn. Boahh, diese Halunken haben eine fette Beute gemacht!, ruft Bolle erstaunt, als er die ‚Schatzkästchen‘ sieht, die müssen wir schnell fassen, damit sie hinter Schloss und Riegel kommen.
Bolle Hecht berichtet Hegel, was er in der Zwischenzeit alles gemacht hat. Dann hat er für Hegel noch eine Neuigkeit: Ich habe meine Kumpels Harke und Borke getroffen. Die helfen uns beim Suchen. Die können das richtig gut und kommen viel schneller voran als wir. Schau, da hinten kommen sie!
Harke und Borke fliegen pfiffig über die Köpfe von Bolle und Hegel hinweg und winken mit den Flügeln. Sie drehen über dem Watt um und machen sich gleich wieder auf die Suche nach der Krabbenbande.
Vor den beiden kann sich die Bande nicht mehr lange verstecken, die sind schnell und kennen die Hallig wie ihre Westentasche., ist sich Bolle sicher.
Es ist schon spät geworden und die Sonne geht bald unter. Für heute können sie nicht mehr viel unternehmen. Sie verabschieden sich und verabreden sich gleich für morgen in aller Frühe.
Nach dem Essen legt Hegel gleich los. Er umrundet erst einmal die Warft, wo die Krabbenbande das letzte Mal gesehen wurde. Da findet er aber nichts. Er will deshalb zur nächsten Warft und dort nachsehen.
Auf der Straße trifft er ein paar Gemeindearbeiter, die gerade den Seitenstreifen am Straßenrand mähen. Hegel fragt sie, ob sie etwas gesehen haben.
Haben sie nicht. Naja, wenn man den Kopf ständig am Boden hat, geht das auch schlecht. Der andere, der neben den beiden steht, hat auch nichts gesehen. Der muss aufpassen, dass die beiden richtig mähen.
Hegel geht weiter. Vorne an der Kreuzung schlägt er den Weg ein zur Warf ‚Treuberg‘, die gerade neu gebaut wird. Von der Warfkrone aus hat er einen besseren Überblick über die Hallig.
Ohje ist diese Hallig groß. Die Krabbenbande kann sich ja überall verstecken, ruft er, als er oben steht und die schier endlose Weite sieht.
Mit dem Fernglas sucht er die ganzen Wiesen und das Watt ab. Von der Bande ist nichts zu sehen.
Danach geht er am Deich entlang und schaut überall ganz genau hin. Und dann entdeckt er zwischen den Steinen eine kleine Tüte.
Es war ein Plan drin von der Hallig und ein paar Schriftzeichen, die er aber nicht entziffern kann. An einer Stelle im Plan ist ein Kreuz rein gemalt.
Das muss von der Bande sein, ist sich Hegel sicher. Er nimmt das Tütchen vorsichtig mit einem Stöckchen und steckt es in einen Plastikbeutel, so wie es ihm Hein gezeigt hatte.
Hegel geht nun auf dem hinteren Deich weiter zur nächsten Warf, wo das Kreuz auf der Karte gemalt war. Plötzlich hört er etwas. In der Deckung hinter dem Schilf schleicht er sich vorsichtig heran.
Weiter vorne sind vier oder fünf Gestalten unterwegs, aber es ist zu weit weg, um etwas zu erkennen und kurz darauf sind sie hinter dem Deich verschwunden. Sapperlot, das könnte die Bande gewesen sein, schimpft er vor sich hin.
Später kommt er noch bei einer Flugging-Gruppe vorbei, die er fragen will, ob sie etwas Verdächtiges gesehen haben. Aber sie lassen sich bei ihren Sportübungen nicht aufhalten und fluggen schnell weiter.
Ohje, so einfach ist das doch nicht, denkt Hegel, die Hallig ist auch ganz schön groß. Er überlegt wie es nun weiter gehen soll.
Ich brauche jemanden der mir hilft, sagt er zu sich selbst.
Er geht zu Großonkel Hein und trifft diesen gerade noch an, er war auf dem Weg zum Mittagessen.
Großonkel Hein, ich brauche jemanden, der mir hilft, ruft er hinüber.
Hein überlegt eine Weile …. dann fällt ihm etwas ein.
Hegel ist abfahrtbereit. Seine Tasche mit seinen Siebensachen hat er bei sich. Ein Fahrer war schnell gefunden, der Großvaddr hat gleich zugesagt und seinen eXpr3sso startklar gemacht.
Es ist schon spät am Abend geworden.
Hegel wirft seine Tasche auf den Rücksitz, schnallt sich an und schon düst er davon. Hoffentlich kommen sie rechtzeitig an.
Während der Fahrt zappelt Hegel unruhig hin und her, so aufgeregt ist er. Aber zwischendurch schläft er immer wieder ein. Als er einmal aufwacht, sieht er große Kräne und viele Container. Was? Schon soweit sind sie gekommen, Hamburg.
Gleich geht es durch den Elbtunnel. Bald drauf schläft Hegel wieder, das ist auch gut so. Er muss ja ausgeruht und fit sein, wenn er ankommt.
Als Hegel wieder aufwacht, ist es bereits hell und sie stehen jetzt am Fährhafen. Die kleine Fähre Hilligenlei fährt gleich los, sie haben Gottseidank noch einen Platz bekommen.
Die Überfahrt zur Hallig mit der Fähre kennt Hegel ja schon. Er überlegt, war das letztes Mal nicht auch die Hilligenlei? Ja stimmt, sie sagen ja auch ‚Schlickrutscher‘ zu ihr – hihihi , quietscht er vor sich hin.
Unterwegs schaukelt es plötzlich und Hegel muss sich an der Reling festhalten, damit er nicht über Bord geht.
Bald darauf sind sie an der Anlegestelle auf Langeneß und fahren von der Fähre herunter.
Jetzt kann es losgehen, Hegel kurbelt das Fenster runter und ruft
Krabbenbande ergebt euch, sonst habt ihr nix zu lachen!
Aber erst einmal fahren sie zur Wohnung und bringen ihre Sachen aufs Zimmer. Und dann muss Hegel nachher auch noch zu Großonkel Hein und ihm ‚Guten Tag‘ sagen.
Eine halbe Stunde später ist Hegel am Leuchtturm, wo man zur Sandbank rüber schauen kann. Hein liegt dort in der Sonne und genießt seinen Ruhestand. Er gibt Hegel noch ein paar Tips und Ratschläge, wie er der Krabbenbande das Handwerk legen kann. Weitere Hinweise kann er ihm aber nicht geben. Die Bande ist sehr vorsichtig und lässt sich nicht blicken.
Hegel geht wieder zurück und überlegt sich, wie er wohl am besten anfangen kann. Aber jetzt muss er erst einmal zurück zur Wohnung und etwas essen. Sein Magen knurrt schon recht laut. Das hatte er vor lauter Aufregung um die Krabbenbande ganz vergessen.
Hegel sucht in seiner Kiste nach dem Film von Kommissar Hein. Ganz unten in der letzten hinteren Ecke findet er den Film. Und daneben liegt sogar noch ein weiterer Film von ihm. Er schnappt sich die beiden CDs und legt sie in den Computer ein. Dann macht er es sich auf dem Sofa bequem und drückt die Start-Taste.
Der erste Film heißt Mord im Wattenmeer
Boah, das war ja ein spannender Fall. Da will ich gleich den nächsten Film auch noch anschauen, die ‚Panzerknacker im Wattenmeer‘, fiebert Hegel dem nächsten Film entgegen.
Hegel ist ganz aus dem Häuschen, er wäre am liebsten schon auf der Hallig, damit er gleich mit der Suche nach der Bande beginnen könnte.
Aber da war doch noch der ‚Dscho…‘ , wie hieß der noch? Ach ja, Joey Hava. Bald hat Hegel auch dazu etwas gefunden. Joey, der quirlige und schlaue Havaneser, also praktisch ein Kerl wie er. Als Hegel das so denkt, wird er etwas größer…. 🙂