44 – Mit Hegel unterwegs

Hegels kurze Episoden während der Reise

I. Hegel auf der Fähre

Hegel war wieder mal mit der Nase ganz vorne. Er spurtete voraus und sicherte sich bei der Fährüberfahrt von Gryllefort nach Andenes im Salon einen Platz mit Rundumsicht. Er konnte nach vorne, nach links und nach rechts rausschauen. Er wusste gar nicht wohin er zuerst schauen sollte, hüpfte auf der Bank hin und her und war ganz hippelig. Er plapperte in einem fort, wollte dies wissen und wusste jenes.

Dann ging es endlich los, die Fähre legte ab. Sobald sie aus dem geschützten Bereich der Insel draußen war auf dem offenen Meer, fing es ziemlich zu schaukeln an. Es war stürmisches Wetter draußen und die Wellen dadurch ziemlich hoch. Die Fähre ging vorne runter und wieder hoch. Und dann neigte sie sich einmal nach links und wieder nach rechts.

Hegel sah aus dem Fenster, einmal sah er nur das Meer und das andre Mal nur den Himmel, so stark schaukelte es. Er wurde plötzlich immer leiser und blieb ganz ruhig auf der Bank sitzen. Und er wurde etwas bleich im Gesicht. So wie ihm ging es noch vielen anderen Passagieren auch. Er war froh, als die Fähre wieder an Land anlegte.

II. Hegel mag Heidelbeeren

Einmal war Hegel bei einer kleinen Wanderung dabei, bei der sie an vielen Heidelbeerbüschen vorbei kamen.

Und überall hing es voll mit leckeren Heidelbeeren. Da war Hegel nicht mehr zu halten. Er stopfte sich gleich voll mit den leckeren Beeren.

Aber er half natürlich auch beim Sammeln der Beeren, damit sie auch für unterwegs noch etwas hatten. 

Als sie wieder am Camper waren, haben sie die Beeren von den Blättchen gesäubert und in eine Schüssel gelegt.

Hegel staunte nicht schlecht, wie viele sie gesammelt hatten.

III. Hegel auf der Hängebrücke

Ein anderes Mal hielten sie auf der Fahrt in die Berge an einem Bergbach an. Auf die andere Seite kam man nur über eine Hängebrücke. 

„Wie sieht die denn aus“ rief Hegel. Und schon war er auf dem Holzsteg. Als er den ersten Schritt auf die Brücke gemacht hatte, fing es schon zu schaukeln an. Da drehte er sich schnell um und rannte zurück. Er prallte voll gegen die Beine vom Großvaddr, der ihn auf die Schulter nahm.

„Gut festhalten“ sagte er und dann gingen sie über die Hängebrücke hinüber. Diese war an jedem Ufer mit dicken Stahlseilen befestigt, auf denen die Bretter zum Laufen lagen. Seitlich waren noch Netze gespannt, sodass man nicht runter fallen konnte. Als sie in der Mitte angekommen waren, schaukelte es ganz schön. Aber es konnte nichts passieren. Alles war gut befestigt. Zuletzt wollte Hegel gar nicht mehr von der Brücke runter, so hat ihm die Schaukelei gefallen.

IV. Hegel steht Kopf

Einmal war es an einem See ganz windstill. Keine einzige Welle war auf dem See, das Wasser war ganz ruhig und glatt, sodass sich der Berg darin spiegelte. Hegel wusste nicht mehr so recht, was jetzt oben und unten war. 

Sollte er sich jetzt auf den Kopf stellen, damit es stimmte. Oder musste der Berg sich umdrehen? Oder der See nach oben? 

Er drehte sich, stand  kopfüber am Camper, schlug einen Salto und lag plötzlich auf dem Boden. Nun wusste er wieder, wo unten ist.

V. Hegel am Gletscher

Hegel hatte noch nie einen Gletscher gesehen. Natürlich wollte er mit zum Briksdalsbreen Gletscher. Er machte es sich heute aber recht bequem und setzte sich gleich von Anfang an auf den Rucksack drauf. 

Als der erste Anstieg geschafft war und er von Weitem den Gletscher sah, sprang er runter und rannte voraus. Das heißt, er rannte meistens hin und her, vor und zurück. Und immer wollte er etwas anderes wissen. Und natürlich:

„Was ist denn so ein Kläddschr überhaupt?“

Er erfuhr, dass ein Gletscher entsteht wenn ganz viel Schnee fällt, der nicht mehr schmilzt. Und wenn das nicht nur ein oder zwei Jahre so ist, sondern ein paar Hundert Jahre lang, dann wird das so dicht zusammengepresst und es entsteht Eis. Das Eis kann ein paar hundert Meter dick werden. Die Gletscher, die es heute gibt sind schon vor 100.000 Jahren entstanden.

„Boooaaaaahhhh“, rief Hegel

Als sie am Gletschersee angekommen waren, staunte Hegel. Oben am Berg hingen große Eisblöcke zwischen den Felsen, die Eisschicht war supermächtighoch, wie er sagte. Er hatte so etwas noch nie gesehen.

Er konnte es sich gar nicht so recht vorstellen von hier unten, wie dick die Schicht war. Deshalb wollte er näher ran an den Gletscher. Oder besser gesagt die Gletscherzunge. So heißt das nämlich, wenn der Gletscher zwischen den  Felsen nach unten ins Tal reicht.

Also gingen alle noch ein Stück weiter am See entlang. Plötzlich zappelte und hüpfte Hegel, schlug sich mit den Händen auf seine Arme und zitterte überall.

„Hegel, was ist denn los?“, rief der Großvaddr.

„Mir ist so kaaaahaaaltt und ich frrrrriiiiiiiere, brrrrrrr“ rief er und hüpfte umher. 

„Komm mal rüber“….. und schon hatte Hegel ein wärmendes Mäntelchen um sich. 

Nun konnte er auch das Fernglas ruhig halten und zum Gletscher hinaufschauen. Und jetzt sah er erst, wie groß und dick die Eisschichten waren. 

„Boaahhhhhhh, das ist ja riesenmächtigdick“ rief er.

Bald machten sie sich auf den Rückweg. Als sie am Kiosk im Tal vorbeikamen, lugte er zu Großvaddr rüber.

„Bekomm ich ein Eis“ fragte er ganz knitz und grinste….

43 – Hegel auf dem Gipfel

Hegel war heute schon früh auf den Beinen. Er wollte auf keinen Fall verschlafen und riskierte nichts. Raus aus den Federn und angezogen.

Aber bis es losging, musste er noch warten, bis alle gefrühstückt hatten und der Rucksack gepackt war.

Dann ging es los. Die Wanderstöcke waren dieses Mal auch mit dabei, denn es sollte auf einen Gipfel hinauf gehen. Hegel brauchte natürlich keinen, denn er saß ganz oben auf dem Rucksack. So konnte er alles sehen.

Über der Straße stand ein Wegweiser, der zeigte wohin es ging und wie der Gipfel hieß. Auf den ‚Langdalsryggen‘ sollte es gehen.

Es ging von Anfang an gleich richtig bergauf. Da kam sogar Hegel ins Schnaufen, obwohl er ja gar nicht ging…

Nach einer halben Stunde waren sie schon viel höher.

„Hahaha“ lachte Hegel „der Camper sieht von hier oben ja aus wie ein Spielzeugauto!“.

Bald darauf hatten sie den größten Anstieg geschafft.

Nun ging es zwischen den Felsen in einem Auf und Ab an vielen kleinen und größeren Bergseen vorbei.

Hegel wollte jetzt natürlich nicht mehr auf dem Rucksack bleiben. Er hüpfte gleich auf einen Felsen neben ihm. Beinahe hätte er das Gleichgewicht verloren und wär in einen kleinen See gefallen.

Das ging noch einmal gut. Großvaddr erklärte ihm, dass man bei nassen Felsen besonders aufpassen muss. Die können sehr glatt sein.

So ging es noch eine Weile und Hegel hüpfte von einem Fels zum anderen.

Noch ein kurzer Stück ging es bergauf, dann war Hegel am Gipfelkreuz oben angekommen.

Langdalsryggen stand auf dem Gipfelkreuz, 531 m war dieser hoch. Daneben war noch ein Kasten mit einem Gipfelbuch, in das Großvaddr einen Eintrag mit ihren Namen machte.

Auf dem Gipfel war es ganz schön windig. Deshalb traten sie bald wieder den Rückweg an.

Hegel hüpfte wieder von Fels zu Fels.

„Hier entlang“ rief er auf einmal, „dieser Linie müssen wir folgen, die zeigt uns den Weg nach unten!“. Er zeigte auf eine fast weiße Linie, die auf den Felsen zu sehen war.

„Hegel, wenn Du dieser Linie folgst, kommst Du nie mehr nach Hause“, rief ihm Großvaddr zu. Er ging mit Hegel ganz nah hin, bis dieser dann merkte, dass die Linie gar nicht aufgemalt war. Sie war im Felsen drin enthalten und war aus Quarz. Sie hat sich in einem Riss des Felsens vor über 1 Million Jahre gebildet.

Hegel begann zu überlegen, schloss die Augen, malte Kreise in die Luft und rief plötzlich, „das ist ja eine 1 mit sechs Nullen hinten dran!“

Einige Meter weiter erklärte ihm Großvaddr „Du musst nach diesen blauen Markierungen Ausschau halten“.

Diese blaue Markierung war ganz am Anfang auf dem Wegweiser. Das ist meistens so, dass dort eine Farbe oder ein Zeichen angebracht ist, auf das man unterwegs achten muss und das den Weg anzeigt.

„Ohjeohje“ rief Hegel „da wäre ich völlig falsch gelaufen und hätte mich verirrt“.

Bergab ging es jetzt natürlich viel schneller, als bergauf. Nach einer halben Stunde waren sie wieder am Camper angekommen. Hegel sah ganz schön müde aus. Und was machte er gleich drauf?

Richtig…. er schlief wie ein Murmeltier. Gipfel besteigen macht ganz schön müde.

42 – Hegel und die großen Brocken

Hegel saß mal wieder ganz vorne auf dem Armaturenbrett, mit der  Nase fast an der Windschutzscheibe. Da hatte er alles im Blick. Denn heute wurde es spannend. Die Fahrt ging ganz nach vorne ans Meer. Und das war ein ganz besonderes Meer, nämlich das Eismeer. Eigentlich heißt es ja Barentssee oder Arktischer Ozean, aber Eismeer gefiel ihm besser. Dahinter gab es kein Festland mehr nur noch die Arktis und ein Stück weiter nördlich den Nordpol. Aber das war schon noch ein großes Stück.

So sehr sich Hegel auch anstrengte, er konnte kein Land entdecken.

Der Großvaddr fuhr ganz vorne hin an eine große Mauer. Weiter ging es nicht.

„Boaahhh“ rief Hegel, als er die großen Felsbrocken liegen sah. „Wieso liegen denn diese große Brocken hier?“

Er erfuhr, dass dies sogenannte Wellenbrecher sind. Sie werden vor einem ungeschützten Hafen aufgetürmt. Dann werden bei einem Sturm die hohen Wellen ‚gebrochen‘ und fallen dahinter zusammen und spritzen auf. Wenn das nicht wäre, würden sie mit voller Wucht in den Hafen klatschen und die Boote und Schiffe zerstören.

Die Brocken sind so schwer, dass man einen Kran braucht, um sie zu bewegen. Und trotzdem werden sie bei einem sehr schweren Sturm von den Wellen noch verschoben.

Man hat deshalb ganz besondere ‚Wellenbrecher‘ gebaut, die heißen ‚Tetrapode‘.

Die werden dann so ineinander geschoben, dass sie nicht mehr bewegt werden können. An dieser Hafenmauer sind seeeehr viele davon verbaut, insgesamt 11000 Stück. So können auch bei schweren Stürmen die Wellen im Hafen keinen Schaden mehr anrichten.

Hegel war schwer beeindruckt davon.

Er hüpfte noch auf dem einen oder anderen Felsbrocken herum. Etwas vor der Küste entdeckte er noch eine kleine Insel, die vollständig mit Möwen besetzt war. Es gab keinen freien Platz mehr.

Als sie jedoch Hegel entdeckten, flogen sie auf und davon. Hegel verstand das nicht, so gefährlich sieht er doch nicht aus. Oder?