40 – Hegel ganz oben

Irgendwas stimmt heute mit Hegel nicht. Er hüpfte schon den ganzen Vormittag auf dem Beifahrersitz hoch, als wolle er sich unbedingt den Kopf an die Decke stoßen.

‚Was ist denn los Hegel?‘ fragte der Großvaddr.

„Ich will einfach mehr sehen können und über die Büsche schauen da vorne“.

„Achsooo, na dann zieh Dich mal ordentlich an und hüpf auf den Rucksack. Dann gehts heute gleich zwei mal höher rauf“.

„Zweimal….?“ fragte Hegel, der schon in der Seitentasche des Rucksacks saß.

Erst ging es am kleinen Hafen entlang, an dem auch Bootshäuschen standen und dann über Stock und Stein durch ein kleines Wäldchen. Es dauerte nicht lange, dann blickte Hegel auf ein großes Ungetüm.

Fragend und ängstlich blickte er Großvaddr an. Der erklärte ihm, dass dies ein ganz normaler Beobachtungsturm ist, auf den sie jetzt hochgehen würden.

Schwups war Hegel aus der Tasche gehüpft und rannte los zum Turm. Als Großvaddr ankam, sah er Hegel wieder hüpfen.

„Ja was ist denn jetzt wieder los?“

„Ich komm nicht da rauf“ jammerte ihm Hegel entgegen. Hegel war einfach zu klein, um die Stufen hinauf zu steigen. Er kam nicht von der einen zur nächsten Stufe. Großvaddr nahm ihn schnell und setzte ihn auf seine Schulter.

Bald drauf stand Hegel oben und schaute über das Geländer.

„Uihhhhh kann man da weit sehen. Bis ganz weit nach hinten. So weit bis man nichts mehr sieht, weil alles zu klein wird.

Hegel rannte auf dem Geländer von einer Seite auf die andre und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

„Du hast gesagt, es würde zweimal höher hinauf gehen“ meinte Hegel fragend.

Dann erklärte ihm Großvaddr, dass das ganze Land ringsum vor vielen vielen vielen und nochmals vielen Jahren von einer dicken Eisschicht bedeckt war. Die war so dick und dadurch so schwer, dass sie das ganze Land unter ihr hinab drückte.

Hegel schaute Großvaddr misstrauisch an, ob der ihn auf den Arm nehmen wollte?

Großvaddr ahnte das und erklärte Hegel weiter, dass er das daheim einmal selbst mit einem großen Brocken Eis und etwas Erde versuchen könne.

„Ja und wo ist das zweiter Höher?“ wollte Hegel wissen.

Das zweite ‚Höher‘ erklärte Großvaddr, gibt es dadurch, dass dieses hinab gedrückte Land wieder heraufkommt, seit die Eisdecke weg ist. Das geschieht seeeeehr langsam, aber seit vielen vielen vielen Jahren geht das jetzt schon so. Jedes Jahr steigt das Land etwa um einen Zentimeter an.

Hegel zog die Stirn in Falten, drehte die Augen einmal links und einmal rechts, klappte das rechte Ohr runter und meinte: „Dann ist es an dieser Stelle ungefähr 50 cm höher, wenn ich 50 Jahre als bin?“

„Du bist gut Hegel, das stimmt genau“ meinte Großvaddr.

Hegel staunte nicht schlecht und hüpfte vom Geländer auf die Bank, das waren ungefähr 50 cm.. „Uihhhhh“

Als es Zeit war zu gehen, wollte Hegel noch über das innere Geländer schauen. Da ging es gaaaanz weit runter.

Wie lange würde dieses Land hier brauchen um so hoch zu wachsen, überlegte Hegel. Er fragte den Großvaddr. Der meinte nur „Du zählst beim runter gehen die Stufen und dann kannst Du das später ausrechnen.

„1…2…3…4…5…..188…189…..“

Als Hegel am Nachmittag im Camper saß, fing er an „1 Stufe sind 14 cm, das sind etwa 14 Jahre, 2 Stufen sind 28 cm……“ Bei der sechsten Stufe schlief Hegel tief und fest.

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39 – Hegel ahoi

„Hegel…. Heeegel….!“  wo ist denn dieser Flegel Hegel jetzt schon wieder? Der wird doch nicht auf der Burg oben geblieben sein?!

„….HEEEEGEL! ….“  Ah, da unten im Rucksack tut sich was. Aus einer Seitentasche lugte der Hegel raus, wischte sich mit einem Ohr die Sandkörner aus den Augen und hüpfte auf den Tisch.

Er war nach der anstrengenden Besichtigung der Burg in Tallinn auf dem Rückweg eingeschlafen.

„Gleich fahren wir mit der Fähr…..“  Der Satz war nicht zu Ende gesprochen, da saß Hegel schon ganz vorne auf dem Armaturenbrett.

Gespannt verfolgte er, wohin die Fahrt ging. Vom Parkplatz fuhr der Großvaddr direkt zum Fährterminal in den Hafen. Von dort aus startete die Fähre über die Ostsee hinüber nach Helsinki. Das ist in Finnland.

Die Schranken zur Einfahrt in das Fährterminal öffneten sich alle automatisch. Und nach einer Weile ging es dann los. Hegel war richtig hippelig. Er zappelte vorne rum, war einmal am linken Fenster, einmal am rechten Fenster.

Als Hegel dann die Fähre sah und merkte, dass der Großvaddr auf ein großes Maul eines riesigen Fisches zufuhr, hüpfte er mit weit aufgerissenen Augen dem Großvaddr auf den Bauch und klammerte sich an seinem Bart fest. Er zitterte wie Espenlaub. 

„Auaa! …. Mensch Hegel, was machst Du denn?“

„Ddd….. daa…..  Maaauu….“ Hegel bekam kein Wort raus.

„Hegel, das ist doch nur die Fähre und das ist auch kein Maul, sondern die offene Klappe im Schiffsrumpf, zu der die Autos rein fahren“.

Hegel ließ los und der Großvaddr konnte wieder drauf achten, dass er nicht ins Wasser, sondern in die Fähre fuhr.

Innen standen schon viele Autos in dem riesengroßen „Bauch“ der Fähre.

Hegel wusste jetzt nicht, wohin er überall schauen sollte. So viel Neues gabs zu sehen. Aber viel Zeit blieb ihm nicht. Alle mussten das Auto verlassen und hinauf an Deck.

Die Fähre war sehr groß, zehn Stockwerke hatte sie. 

Ganz oben konnte man hinaus auf das Deck und sich den Hafen und die Stadt vom Wasser aus ansehen.

Plötzlich sah Hegel einen großen weißen Vogel, den er noch nie gesehen hatte. Oder doch…..?  Natürlich, der sah genauso aus wie die auf der Hallig. Es war eine Möwe. Man konnte sogar ganz nah ran. 

Aber als Hegel fast bei ihr war, war es der Möwe nicht mehr geheuer. So einen Hegel hatte sie noch nie gesehen und machte den Abflug.

Hegel entdeckte beim Umhergehen auf Deck noch eine weitere große Fähre, die ebenfalls im Hafen lag. 

Plötzlich hörte Hegel ein lautes, ein sehr lautes ‚Tööööhhhnnnnn‘ und das ein paar mal. Hegel klappte sich die Ohren ein. Und dann gings los, die Fähre verließ langsam den Hafen und nahm Kurs auf Helsinki.

Hegel stand unter der Flagge und schaute noch lange auf die immer kleiner werdenden Häuser zurück.

Was ihn wohl in Finnland erwarten würde, überlegte sich Hegel. Weiter kam er aber nicht, das monotone Brummen der Motoren und die frische Seeluft ließen ihn bald einschlafen. Natürlich hing er wieder an seinem Stammplatz im Rucksack.

29 – Hegel will wieder mit 

Hegel merkte daheim, dass irgend etwas vor sich ging. Geschäftiges Treiben, Landkarten und Kleider einpacken deutete darauf hin, dass es bald wieder losgeht. Mit dem Camper fort. Da wollte Hegel natürlich dabei sein, das durfte er nicht verpassen. 

Er blieb deshalb stets wach und verkroch sich auch gar nicht mehr in seine Lieblingskiste. Dann war es soweit, alle Sachen waren im Auto. Jetzt aber flugs in die letzte Tasche rein gehüpft, dann war er sicher wieder mit dabei.

Erst später, als er den Motor laufen hörte, krabbelte er heraus und setzte sich ganz vorne hin. An seinen Lieblingsplatz. Da hatte er alles im Blick.

Die ganze Nacht machte er fast kein Auge zu. Am nächsten Morgen war es aber vorbei, er schlief einfach während der Fahrt ein. Das ständige Prasseln der Regentropfen und das Hin und Her des Scheibenwischers war sowas von einschläfernd, dass er sich nicht mehr wach halten konnte. Er schlief ein und schnarchte bald vor sich hin. Wenn er zu laut wurde, schüttelte dr Großvaddr ihn am Kragen.

So verpasste er die erste Fahrt über die Störebelt-Brücke. 

Als es später über eine holprige Straße ging, wachte Hegel auf, rieb sich verdutzt die Augen und ärgerte sich etwas, dass er eingeschlafen war. Die Brücke hätte ihn sehr interessiert.

Aber er bekam bald darauf noch eine Gelegenheit, sogar bei schönem Wetter. 

Von Dänemark nach Schweden kann man über eine sehr lange und hohe Brücke fahren, die Öresundbrücke. Die ist 7845 m lang und 55 m über dem Wasser.

Da können ganz große Schiffe unten durch fahren, selbst wenn sie ein paar Feuerwehrautos oder Mähdrescher übereinander aufgeladen hätten 😀

Die Fahrt über die Brücke war schnell zu Ende. Am anderen Ende musste man an der Grenze nochmals anhalten. Dann war Hegel in Schweden.